Man muss kein besonders sensitiver Mensch oder gar ein Medium sein, um die mannigfaltigen Energiestrahlen eines Baumes wahrzunehmen. Jeder kennt und spürt die Kraft, die von den großen Pflanzen ausgeht und sich nach allen Seiten ausbreitet. Diejenigen, die bereit sind, sich auf ein Miteinander einzulassen, erfahren Gefühle tiefer Verbundenheit. Und dass die unterschiedlichen Arten ihre ganz spezifischen Kraftfelder generieren, liegt auf der Hand. Die Stärke der Eiche, die Ruhe der Buche oder die Mystik der Eibe sind jederzeit bereit, ihre Botschaften aus dem Reich der Bäume in einer natürlichen Kommunikation zwischen Mensch und Pflanze zu offenbaren.

„Kein anderes Geschöpf ist mit dem Geschick der Menschheit so vielfältig, so eng verknüpft wie der Baum“, schrieb der Historiker Alexander Demandt, der dem Baum mit seinen Schriften ein kulturgeschichtliches Denkmal setzen wollte. Für Demandt beginnt die Kultur des Menschen mit dem Feuer, das der Blitz in die Bäume schlug, und mit dem Werkzeug, für das Holz zu allen Zeiten unentbehrlich war. Der Rohstoff des Baumes als Wärme- und Energielieferant, als Schutz- und Stützkraft, aber auch – und darüber schweigen die meisten naturwissenschaftlich orientierten Autoren leider – als Freund und Energiewesen, mit dem es sich wunderbar kommunizieren lässt und von dessen Weisheit und Lebensfülle die Menschen großzügig profitieren können.

Die Geister der Bäume werden heutzutage ganz allgemein als Dryaden, als die unsichtbaren Waldgötter, bezeichnet. Ursprünglich meinte das griechische Wort „drys“ nur das Wesen der heiligen Eiche, später verallgemeinerte sich der Begriff für die psychischen und subtilen Energiekräfte aller Baumarten. Dass diese tatsächlich vorhanden sind, wird heute nur noch in einer spirituell-feindlichen Öffentlichkeit angezweifelt. Dendrologen (der Fachausdruck für Baumwissenschaftler), Botaniker oder Verhaltensbiologen beweisen bereits seit mehreren Jahrzehnten, was die Kinder der Natur schon immer wussten: Dass Bäume atmen und sprechen können, dass sie Gefühle haben und hochsensibel auf astronomische oder lokale Konstellationen reagieren.

Das soziale Netzwerk einer Baumlandschaft unterscheidet sich dabei in keinster Weise von der einer Menschengruppe; Bäume stellen beispielsweise diejenigen Genossen, die an Wassermangel leiden, ihren Flüssigkeitsüberschuss zur Verfügung. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts verblüffte der indische Forscher J.C. Bose mit seinen weltbekannt gewordenen Studien eine staunende Öffentlichkeit, denen viele weitere folgten und die die geheimnisvollen Kräfte der ältesten und größten Lebewesen offenbarten. Auch ohne diese akademische Grundlage ist es den meisten Naturfreunden ein Leichtes, sich an den Stamm einer alten Eiche zu lehnen und mit ihr in Kontakt zu treten. Das grüne Volk, das die Schritte der Menschen seit undenklichen Zeiten begleitet, schenkt uns nicht nur die Luft zum Atmen, sondern nimmt auch unsere Gefühle wahr und besänftigt unsere Unruhe. Es ist die unerschütterliche Grundnote in der Stille jedes Waldes, der mit seinen subtilen Klängen die Herzen tiefer und voller schlagen lässt.

Meister im Verständnis jener Kommunikation waren die alten europäischen Keltenvölker, die einen Baumkalender sowie ein Baumalphabet besaßen, welche ihren Ursprung in der Symbolik der Pflanzenriesen hatten. Die Druiden benutzten die Bäume aber nicht nur zu pragmatischen Zwecken der Kommunikation, sondern auch zu magischen Ritualen der Wahrsagung oder zu medizinischen Zwecken. Die Wälder stellten für sie den äußeren Tempel dar, um die innere Quelle zu verherrlichen, die allen Dingen Leben einflößt. Die Anbetung der Bäume und ihre Wertschätzung als kraftvolles Heiligtum sind so alt wie der Mensch selbst und erst mit Beginn der europäischen Zivilisation und der christlichen Missionierung wurden die „falschen Götter“ ins Abseits gestellt und negiert. Heute müssen Baumfreunde weniger wegen religiöser Übergriffe als vielmehr wegen zweckorientierter und raumgestalterischer Stadt- und Forstplanung leiden. Wer sich neben den Stumpf einer frisch gefällten, zweihundertjährigen Eiche stellt, spürt deutlich welche unwiederbringlichen Energien ausgelöscht wurden und wie traurig und machtlos der kümmerliche Rest um Stamm und Krone weint.

„Ein Baum, der hingegen auf natürliche Weise stirbt, hinterlässt einen ganz anderen Eindruck“, weiß auch Tiziana Mattera, die mit ihrem „Baumgeister-Orakel“ das heilige Wissen zu den Menschen zurückbringen möchte. Für sie ist die Aufhebung der Dualität im Sinnbild des Baumes ein entscheidender Faktor für echte Rückbesinnung, also wahrhafte Religion.

Neben dem irdischen Baum, der seine Äste gen Himmel streckt und im Erdreich Wurzeln schlägt, existiert der kosmische Baum als komplementäres Gegenstück. Seine Wurzeln sind die ätherischen Quellen des Himmels und seine Äste verlängern sich in die Tiefe des Bodens. „Wenn wir spüren, wie sich die irdischen Äste mit den kosmischen Wurzeln verflechten und vereinigen, begreifen wir die ewige und göttliche Nahrung, die die Bäume uns schenken.“ Mattera hat es sich zur Aufgabe gemacht, die freundlichen Botschaften der grünen Geschwister den Interessierten wieder näher zu bringen. Besonderen Wert legt sie dabei auf die Eigenständigkeit jeder Baumart sowie das universale Energiefeld, das die Erde umgibt und ihr damit eine verbindende Kraft schenkt. „Wer sich mit einer bestimmten Baumart anfreundet, wird auch auf der entgegengesetzten Seite des Globus von ihnen wiedererkannt und freundlich aufgenommen werden“, ist sich Mattera sicher. So entsteht ein Freundeskreis, in dem jeder gemäß seiner natürlichen Energiekonfiguration bestimmte Werte und Eigenschaften vermittelt.

Besonders alte Bäume sind Meister der Weisheit des Pflanzenreiches und eignen sich hervorragend als natürliche Therapeuten. Aber auch ganz allgemein lassen sich mit Hilfe der jeweiligen Baumarten disharmonische Schwingungen oder gestörte Lebensenergien wieder beseitigen. Hartherzige und eingeschränkte Persönlichkeiten können sich vom Geschenk der Kraft und des Reichtums der Eiche erfüllen lassen. Einsame oder zerstrittene Charaktere dagegen sind am freundschaftlich verbindenden Kraftort einer Linde bestens aufgehoben. Wer die Unabhängigkeit freier Entscheidungen vermisst, wird bei der mächtigen und nüchternen Tanne Erfolg haben, und zu starke Realitätsmenschen entdecken seit jeher in der magischen Qualität der Eibe ihren transzendenten Doppelgänger wieder. Dass die antiken Völker ihre Sporthelden mit dem Lorbeerkranz versahen, hängt damit zusammen, dass das Lorbeergewächs den Erfolg repräsentiert und versinnbildlicht, genauso wie die Frucht der Walnuss mit ihren den zwei Hemisphären des Gehirns ähnlichen Wölbungen und Furchen den Ausgleich zwischen linker und rechter Seite darstellt. Ebenso erfahren die Seelen, die sich dem Nussbaum zuwenden, jenes natürliche Gleichgewicht.

Die biologischen und spirituellen Parallelen einer Baumart werden wohl am eindringlichsten bei der Birke offenbar. Sie ist nicht nur, forstbotanisch gesprochen, der wichtigste und häufigste Pionierbaum und derjenige Baum, der nach langen Eiszeiten das organische Leben wieder einläutete, sondern er symbolisiert darüber hinaus den Neuanfang und die Wiedergeburt. Fast alle großen Kulturen und Völker verehren die schöne Birke als Sonnen- oder Initiationsbaum, und wer einen Neubeginn wagen möchte, gleich welcher Art, wird unter einer Birke erhellende Erkenntnisse erhalten.

Häufig symbolisieren die Früchte der jeweiligen Baumart ihre entsprechende Bedeutung. Dass Kirschen süß und saftig das Herz erfreuen, liegt an der Qualität jener Baumart, genauso wie die Haselnuss unseren Verstand schärft und die Wahrnehmung erweitert. So hat jede Art ihre ganz persönlichen Besonderheiten: medizinische Verwendungsmöglichkeiten, botanische Erkennungszeichen, kulturhistorische Erfahrungen und einen individuellen Deva, einen Baumgeist, der darauf wartet, entdeckt und geliebt zu werden. Die Schönheit unserer Mutter Erde sind ihre Offenbarungen und wenn wir uns von ihr durchdringen lassen, fühlen wir uns ihrem Atem wieder näher. „Wir haben unsere Straßen zubetoniert, weil wir unsere Herzen zubetoniert haben“, erklärt Tiziana Mattera. Wollen wir diesen bedauerlichen Prozess umkehren, bietet sich der tiefe Kontakt zu den Bäumen ganz besonders an.

Speziell im Inneren eines Baumes können wir unsere ursprünglichsten Fähigkeiten wieder entdecken. Manche alten Bäume, besonders die Linden, fangen im hohen Alter an, von innen auszuhöhlen. Eine wunderbare Gelegenheit also, durch den sich öffnenden Spalt in das Herz der Pflanzenriesen zu blicken. Es ist wie ein kleines Fenster, das sich offenbart und das uns einlädt, aufmerksam zu beobachten, wie sich die Dinge verändern und neue Erscheinungen zum Vorschein kommen. Es beginnt ein Tanz der Bewegung, des Kontaktes, des Austauschs und der Interaktion. Er ist unvermeidbar und wird uns zur Quelle zurückführen und unsere Herzen beseelen und erhellen.

Es soll Leute geben, die glauben nicht, dass man mit Bäumen sprechen kann und dass diese Pflanzenwesen die schönsten Mythen aus vergangener Zeit erzählen können. Es soll sogar Leute geben, die bei solchen scheinbar spirituellen Aussagen aufhören zu lesen, weil es den Horizont der persönlichen Ansicht über Daseins- Möglichkeiten sprengt. Für diejenigen, die eine „lebendigere“ Sichtweise haben, lohnt sich der Blick in das Baumgeister- Orakel, das der Kommunikation mit den treuesten Gefährten des Menschen wahrhaftige Dienste leistet.

BUCH-TIPP
Tiziana Mattera
Das Baumgeister- Orakel – Botschaften aus dem Reich der Bäume
200 Seiten, € 12,95
ISBN: ISBN 978-3-89427-508-2
Aquamarin

BUCH-TIPP
Tiziana Mattera
Das Baumgeister-Orakel – Karten-Deck
44 Karten, € 12,95
ISBN: 978-3-89427-509-9
Aquamarin

Kategorie: Natur & Reisen | Keine Kommentare
Bildercopyright: ©olly-fotolia.com