Wenn man sagt, man mache eine Entgiftungskur, klingt das immer ein bisschen so, als wäre man jahrelang drogenabhängig gewesen oder hätte einen schlecht bezahlten Job in einer chinesischen Chemiefabrik gehabt. Entgiften? Wozu brauche ich das, wenn ich weder rauche, noch zu regelmäßigen Saufgelagen neige und mich ganz normal ernähre? Wenn Sie diese Frage einer Ernährungs-Expertin wie Jacqueline van Lieshout stellen, die sich seit Jahren mit dem Thema Entgiftung befasst, werden Sie erstaunliche (und teils erschreckende) Antworten erhalten, die sich alle auf dieses kleine Wörtchen »normal« beziehen. Denn was wir üblicherweise in Ernährungsfragen für normal halten, ist in Wirklichkeit alles andere, nur nicht »normal« oder »natürlich«…

DetoxWenn Sie wie die meisten Westeuropäer leben, dann werden Sie wahrscheinlich zwei oder drei Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen, wobei immer wieder das eine oder andere Fertigprodukt mit auf den Tisch kommt, über das Sie sich wenig bis gar keine Gedanken machen (weil es eben so »normal« ist). Sie werden auch hier und dort vielleicht mal Fast Food essen, einen Burger, eine Portion Pommes oder Ähnliches. Kaffee und süße Limonaden werden Ihnen ebenfalls keine Unbekannten sein, und ein paar Knabbereien zwischendurch fallen kaum auf.

Wenn Sie sich nun gemeinsam mit Jacqueline van Lieshout an einen Tisch setzen, wird Sie Ihnen wohl nur eine Frage stellen, die Sie innerhalb weniger Minuten dazu bringen wird, diese lebenslustige und überaus sympathische Frau erst einmal als »Spielverderberin« zu titulieren.

Diese eine Frage lautet: Wissen Sie eigentlich, was Sie da essen?

Wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir es meist nicht wissen – und auch, dass es uns oft egal ist, weil ein tiefgekühltes Fertiggericht einfach so eine bequeme Sache ist.

Die Supermarktregale sind voll von bunten Packungen mit Versprechungen von grandiosen Geschmackserlebnissen und sofortiger Bedürfnis-Befriedigung. Und wenn man sich die entsprechende TV-Werbung für diese Produkte anschaut, scheinen sie auch noch glücklich und/oder unwiderstehlich zu machen. (Ich würde ja immer gern wissen, welche Frau sich bei einem romantischen Candlelight-Dinner über eine Tiefkühlpizza freuen würde, aber das ist wieder ein anderes Thema …)

Uns wird also viel versprochen, aber was bekommen wir wirklich? In fast allem, was wir täglich zu uns nehmen, wimmelt es nur so von Zusatzstoffen, die in irgendeinem Labor zusammengepantscht wurden. Ich bin mir sicher, dass ich ohne Probleme eine komplette Ausgabe der newsage mit einer Auflistung all dieser Inhaltsstoffe und ihrer negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit füllen könnte. Manchen industriell hergestellten Nahrungsmitteln sollte ein Beipackzettel wie bei Medikamenten beigelegt werden, auf dem man die zu erwartenden Nebenwirkungen auflistet. Und genau aus diesem Grund sollten wir von Zeit zu Zeit unseren Organismus von diesen Stoffen befreien, die teilweise von der Babynahrung über das Kantinenessen bis zum abendlichen Fertiggericht schon seit so langer Zeit ein Teil unseres Lebens sind. So wie diese synthetischen Zusatzstoffe Teil unseres Lebens sind, sind es nämlich auch die alltäglichen »Zipperlein« wie Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Stimmungsschwankungen und »unerklärliche« Schmerzen in Muskeln und Gelenken, an die wir uns notgedrungen gewöhnt haben.

Lebensmittel vs. Sättigungsmasse

Geschmacksverstärker wie Mononatriumglutamat sind z.B. in einer Unmenge von Produkten enthalten und werden für viele dieser Gesundheitsprobleme verantwortlich gemacht. Transfette und Transfettsäuren findet man ebenso nahezu überall – künstlich hergestellte (und sehr billige) Fette, die den Cholesterinspiegel in die Höhe treiben, Fettleibigkeit und Diabetes begünstigen, Allergien auslösen, Arteriosklerose vorantreiben und auch gewisse Krebsarten fördern. Dazu kommen Emulgatoren und Konservierungsmittel, die mit wirklicher Nahrung nichts zu tun haben und die unserem Körper ganz und gar nicht gut tun. Süßstoffe wie Aspartam werden von manchen Fachleuten sowohl aus der Schul- wie auch der Alternativmedizin als Nervengift bezeichnet. Was die Industrie uns da vorsetzt, sind keine Lebensmittel im eigentlichen Sinn mehr, sondern nur noch Sättigungsmasse, die uns dazu bringen soll, mehr und mehr von ihr zu verlangen – schließlich ist diese Industrie nicht an unserer Gesundheit, sondern an unserem Portemonnaie interessiert! Wenn wir dazu noch die ganz »normalen« und leider gänzlich wertlosen Nahrungsmittel wie Industriezucker und Weißmehl betrachten und überlegen, worin diese enthalten sind, dann kann es uns schon schaudern …

Den Reset-Knopf drücken

Aber genug davon! Worum es hier gehen soll, ist ja nicht bloße Angstmacherei oder das diffuse Gefühl, dass man gar nichts mehr essen könne. Worum es wirklich geht, ist, dass wir uns dieser Dinge bewusst werden, uns von ihnen befreien und in Zukunft besser, gesünder und auch genussvoller leben können. Da die meisten von uns die oben genannten Stoffe über Jahre hinweg ihrem Körper zugeführt haben, gibt es einen Gewöhnungseffekt, der bei manchen Stoffen schon Suchtcharakter annehmen kann. Um das selbst zu überprüfen, können Sie mal versuchen, eine oder zwei Wochen auf Zucker in jeglicher Form zu verzichten. Ich verspreche Ihnen, Sie werden regelrechte Entzugserscheinungen erleben!

Ein Entgiftungsprogramm, das den Körper reinigt und die Organe entlastet, ist da fast so etwas wie ein Reset-Knopf am Computer: Wir bringen uns selbst wieder auf die »Werkseinstellung« zurück, um uns wieder dem anzunähern, was man als eine natürliche Ernährung bezeichnen könnte. Dann schrecken wir automatisch vor Dingen im Supermarkt zurück, deren Zutatenliste länger als ein Telefonbuch ist und bei der wir von mehr als der Hälfte der enthaltenen Dinge nicht einmal wissen, was genau diese Zutat sein soll. Ich stelle mir immer meine schlesischen Großtanten im Supermarkt vor: Was sie kannten, waren Kartoffeln, Wirsing und Blumenkohl, aber mit Zutaten wie Carboxymethylcellulose (besser bekannt als E 466) wären sie wohl hoffnungslos überfordert gewesen. Und zwar zu recht! Solche Dinge haben in unserem Essen einfach nichts verloren!

Entgiften und genießen – gesund werden und bleiben

Eine Entgiftungskur ist also etwas, wovon wir alle profitieren können und was die meisten von uns auch brauchen. Ich vermute, auch Sie sind nicht auf einem biologisch-dynamischen Selbstversorgerhof groß geworden, was wohl auch nur auf einen verschwindend geringen Bevölkerungsanteil zutrifft. Weil unsere Gesellschaft so isst, wie sie ist, und wir nun einmal ein Teil dieser Gesellschaft sind, ist eine Entgiftungskur für fast jeden von uns eine wohltuende Erfahrung, die einen Wandel einleiten und begleiten kann.

Jacqueline van Lieshout, die einstige »Frau Antje« im deutschen TV und heute bekannte Ernährungs-Expertin in den Niederlanden, hat dazu ein 28-Tage-Programm entwickelt, das die natürliche Reinigungsfunktion unseres Körpers (der immer bestrebt ist, all das synthetische Zeugs, das wir ihm zuführen, wieder loszuwerden) auf sinnvolle und sanfte Weise unterstützt. Es stabilisiert den Kreislauf (u.a. durch Trockenbürsten und Wechselduschen); stimuliert die Selbstreinigungskräfte des Darms, der Nieren und der Haut; regt die Leber dazu an, mehr Schlacken und Schadstoffe aus dem Blut zu filtern und auszuleiten; ist eine gesunde Ernährungsform, die dem Körper eine breite Palette an wertvollen Nähr- und Vitalstoffen zuführt (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe usw.) und entlastet die inneren Organe.

Anders als andere Programme, die manchmal mehr wie schmallippige Selbstkasteiung auf mich wirken, hat van Lieshouts Programm einen entscheidenden Vorteil: Es ist nicht hauptsächlich durch Verzicht gekennzeichnet, sondern durch Genuss!

Auf dem Speiseplan stehen nicht Getreidebrei, bittere Kräuter und Wasser, sondern z.B. Dinge wie Baba Ghanoush (eine Art Auberginen-Salat), Pellkartoffeln auf provenzalische Art, Ofengemüse mit Ziegenkäse und Basilikum, Pilzrisotto mit Pecorino, eine feurige Zucchini-Suppe oder auch die sogenannte Detox-Lasagne, die eine leckere Alternative zu Weißmehl-Nudelplatten mit Fleischsoße bietet.

Alles in allem kann man es sich gut gehen lassen und dabei gleichzeitig etwas für seine Gesundheit tun. Wenn Sie dieses wohldurchdachte und gut angeleitete Programm genossen haben, werden Sie feststellen, dass sich viele Dinge positiv verändert haben:

Kopfschmerzen und eine allgemeine Mattheit, die Sie bisher vielleicht öfter verspürt haben, werden immer seltener oder gar nicht mehr auftauchen, ebenso wenig wie (suchtbedingte) Heißhunger-Attacken auf Chips, Erdnuss-Flips, Gummibärchen und Schokolade. Wahrscheinlich werden Sie abnehmen, mit Sicherheit werden Sie sich aktiver fühlen. Auch Ihr Geschmackssinn wird sich verändern, und Sie werden sich mehr zu wirklichen LEBENsmitteln hingezogen fühlen, anstatt zu Dosenfutter und Tütensuppen.

Natürlich braucht alles seine Zeit, nichts verändert sich über Nacht. Dafür sind wir viel zu sehr Gewohnheitstiere. Doch diese 28 Tage sind ein Anfang, die ihr Leben in eine Richtung lenken, die ein altes indisches Sprichwort vorgibt:

»Mit falscher Ernährung ist Medizin wirkungslos. Mit richtiger Ernährung ist Medizin nicht notwendig.«

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein genussvolles Entgiften, eine fröhliche Reinigung und Erneuerung sowie einen guten und gesunden Neustart!

Buchtipp
Jacqueline van Lieshout
Detox Coach
Das 28-Tage-Programm – Sanft entgiften, ohne auf Genuss zu verzichten

192 Seiten, 17,90 €
ISBN: 978-3-86264-349-3
Hans-Nietsch-Verlag
Kategorie: Ernährung & Gesundheit | Keine Kommentare
Bildercopyright: Fotos: Sammy Hart – © Hans-Nietsch-Verlag