Was kann ich schon tun? Was kann ich schon in der Welt verändern? Was kann meine Stimme schon ausrichten? Wahrscheinlich kennt jeder diese Fragen und hat sie sich in Augenblicken, in denen er sich aufgrund von Nachrichten über Umweltskandale und rücksichtslose Großkonzerne ohnmächtig gefühlt hat, schon selbst gestellt. Mal eben die Welt retten scheint wirklich schwierig, denn zu undurchsichtig und weit entfernt von unserem Einflussbereich sind viele wirtschaftlichen und politischen Strukturen. Und dennoch verfügen wir alle über mehr Macht, als wir ahnen. Und die können wir klug in unserer Küche und auf unserem Teller einsetzen können.

Mann mit PaprikaJedes Unternehmen, jeder Wirtschaftszweig lebt davon, dass wir sein Angebot wahrnehmen und konsumieren. Mit jedem Cent, den wir ausgeben, unterstützen wir die Unternehmen oder Industriebereiche, deren Produkte wir kaufen. Das ist relativ simpel und für jeden durchschaubar. Kaufe ich Fleisch und andere Tierprodukte möglichst billig in irgendeinem Discounter, unterstütze ich die Maschinerie der Massentierhaltung. Kaufe ich nur noch Obst und Gemüse, und dazu Tofu- oder Seitanprodukte aus dem Bioladen, verzichte dabei ganz auf Fleisch, Milch und Eier, wird mein Geld nicht mehr in die Industriezweige fließen, mit deren Verhalten ich nicht einverstanden bin.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass meine paar fehlenden Hundert Euro im Jahr der Fleisch- und Milchindustrie nicht viel ausmachen, aber wenn mein Beispiel Schule macht und z. B. meine Verwandten, meine Freunde und Nachbarn ebenfalls ihr Konsumverhalten verändern, werden aus ein paar Hundert Euro schnell ein paar Tausend Euro – und irgendwann wird dies auch an der richtigen Stelle spürbar. Um jetzt etwas plakativ mit den Worten des Autors John Robbins’ zu sprechen, lautet die Lösung offensichtlich: »Letzter Ausweg vegan!« Wenn man wirklich darüber nachdenkt, kann man kaum anders:

Man muss diesem Satz zustimmen. Und doch sind die intellektuelle Zustimmung und das praktische Umsetzen dieser Einsicht zwei Paar (lederfreie) Schuhe. Als jahrelang erprobter »Normalesser« ist eine Umstellung der Ernährung von jetzt auf gleich allerdings kein Kinderspiel. Auch die selbsternannten veganen Info-Bomber, die über nichts anderes als ihre Ernährung sprechen und einem bei jeder Gelegenheit ein Bild aus dem Schlachthof unter die Nase halten, machen es einem da nicht gerade leicht: Wenn man sich das in seinem Bekanntenkreis oder auf Facebook ein paar Tage lang angehört hat, möchte man schon aus Trotz ein riesiges Steak auf den Grill werfen …

Aber das kann nun wirklich nicht die Lösung sein, denn leider sind diese Bilder aus Schlachthöfen und Legebatterien ja bittere Realität! Eine Realität, die sicher niemand von uns wirklich will! Was ist also zu tun?

Vegane Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe Newsage 1/2015!
»Going vegan« Das Titelthema der newsage-Ausgabe 1/2015 ist Geist und Körper im Einklang. Zudem erwarten Sie unter anderem folgende Artikel:

Yoga-Trends

Entspannung und Heilung

Schamanismus

Bewusst träumen, bewusst leben

Sex und Achtsamkeit

Körper, Geist und Seele in Einklang

Griechische Klöster

Orte des Gebets, Stätten des Mystischen

Informieren Sie sich hier über Bezugsquellen in Ihrer Nähe oder abonnieren Sie das Heft online.

Manchmal muss man vielleicht bei allen hehren Ansprüchen an sich selbst dennoch sanft mit sich umgehen und Dinge nach und nach verändern, Rezepte ausprobieren, vegane Restaurants besuchen (zu meinem großen Bedauern kochen die meist besser als ich …) und langsam auf den Geschmack kommen. Gewohntes kann durch Alternativen ersetzt werden, wenn man sich darauf einlässt. Und irgendwann stellt man fest, dass es Tofu oder Weizeneiweißwürstchen gibt, die überraschend lecker sind.

Man kann natürlich über alles nörgeln und auch bei der veganen Ernährung bemängeln, dass der Anbau von Sojabohnen, die später zu Tofu verarbeitet werden, in manchen Fällen nicht besonders umweltschonend ist, oder sich darüber wundern, warum Menschen die es ablehnen, Fleisch zu essen, dann doch auf Produkte zurückgreifen, die sie in Konsistenz, Geschmack und Aussehen an normale Würstchen, Steaks und Hackfleisch denken lassen. Man findet immer einen Kritikpunkt. Was sich aber unbestreitbar sagen lässt: Jedes Tofu-Würstchen macht für die sogenannten Nutztiere in unserer Welt einen riesigen Unterschied! Einen Unterschied zwischen Leben und Tod!

Mir ist es lieber, etwas zu tun, eine Kleinigkeit zu ändern, als es aus Frust, Bequemlichkeit und intellektuellem Snobismus gleich ganz sein zu lassen. Also gibt es die Nudelpfanne für meine Kinder nun mit Soja-Weizen-Würstchen – und alle sind zufrieden. Vor allem Schweinchen Babe, das nun nämlich am Leben bleiben darf! Auch der vegane Burger, der es in einem Bistro meiner Heimatstadt auf die Speisekarte geschafft hat, ist ein echter Kracher! Ich bin wirklich dankbar, dass der nette Koch dieses Etablissements mich nun davon abhält, die Fast-Food-Variante zu wählen, die niemandem bekommt – am wenigsten unserem Planeten. Ich probiere herum und bin froh, dass durch die verstärkte Nachfrage auch ein größeres Angebot an solchen Alternativen besteht. (Da wären wir wieder bei der Macht der Konsumenten!) Und ich mag entspannte vegane Autoren, die sich den Schwierigkeiten, denen ich mich gegenübersehe, annehmen und mich dafür nicht verurteilen …

Wenn man wie Joni Marie Newman und Gerrie Lynn Adams ihr – übrigens großartiges – Kochbuch mit Rezepten für veganen Käse, veganes Fleisch, vegane Mayonnaise, vegane Salsiccia (italienische Würstchen) oder einen Veggie-Burger XXL versieht, weiß man, wie man mich lockt und mir en passant eine gesündere, tierfreundlichere und umweltverträglichere Ernährungsweise »unterjubelt«. Deftig, lecker und nicht immer gleich mit einem Riesenaufwand verbunden – das mag ich und das kann ich leisten. Und wer würde schon zu einem veganen Sloppy Joe (eine Art Hamburger mit Hackfleischsauce ohne totes Tier) Nein sagen?!

Aber genug geredet … Man muss es einfach machen, ein bisschen Experimentierfreude mitbringen, Neues ausprobieren und das tun, was man kann. Wenig ist immer noch besser als nichts! Und nach und nach ändert man sich und seine Gewohnheiten und irgendwann auch die Welt. Alles eine Frage der Zeit …

Buchtipp
Joni Marie Newman
und Gerrie Lynn Adams

Going Vegan: Wie Sie Ihre Ernährung erfolgreich auf VEGAN umstellen …
172 Seiten, 19,90 €
ISBN: 978-3-86264-330-1
Hans Nietsch Verlag
Kategorie: Ernährung & Gesundheit | Keine Kommentare
Bildercopyright: © peopleimages.com