Sommerlektüre – Ein keltisches Abenteuer

Interview: Anna Ulrich

croce celticaHenni Decker, Sie haben Volkskunde, Ethnologie und Altamerikanistik studiert und sind zudem in verschiedenen schematischen und psychologischen Richtungen ausgebildet. Jetzt haben Sie ein Buch über die Kelten geschrieben. Wovon handelt es?
Die Geschichte „Niamh. Die Liebe der Kriegerin“ spielt im Jahr 55 v. Chr. und erzählt von der Rebellion der zwischen Rhein und Maas ansässigen Eburonen, einem keltischen Stammesverband, gegen die römischen Besatzer unter Julius Caesar.

Welche besondere Verbindung haben Sie zu den Kelten?
Als ich vor über 20 Jahren begonnen habe, mich mit der keltischen Kultur zu beschäftigen, war es für mich wie endlich nach Hause zu kommen. Je mehr ich darüber erfahre, desto begeisterter bin ich.

Was fasziniert Sie so an den Kelten?
Die Kelten waren ein hochintelligentes, humanitäres und modernes Volk. Pythagoras, der griechische Philosoph und Mathematiker, hat offenbar eine über zehnjährige Lehrzeit bei keltischen Druiden verbracht. Die Ansätze seiner Philosophie sind somit keltischen Ursprungs. Er lehrte die Zusammenhänge zwischen Musik und Mathematik, behauptete, die Erde sei eine Kugel und die auf Harmonie begründete Natur beseelt. Viele seiner Thesen waren in der Antike im Mittelmeerraum provokant und überaus innovativ. Aristoteles nennt Pythagoras den Begründer der griechischen Mathematik. Somit gründeten die Griechen und Römer ihre Kultur auf die der Kelten und nicht umgekehrt.

In welchem Bereich können wir heute noch von den Kelten lernen?
Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und dennoch sind viele von uns nicht glücklich. An den Kelten beeindrucken mich vor allem die Lebensfreude und Weisheit, ihre einzigartige Mischung aus vertrauensvoller Hingabe, wildem Draufgängertum, genialer Handwerkskunst und großartigem Wissen! Das Vermächtnis unserer keltischen Urahnen ist die Fähigkeit, wahres Glück im Einklang mit der Natur zu erleben.

Warum handelt der Roman von einer keltischen Kriegern?
Die Kelten lebten die Emanzipation. Auch Frauen besaßen alle Personenrechte. Gräberfunde belegen, dass es Kriegerinnen, Stammesfürstinnen und Druidinnen gab.
Viele Frauen sind heute Kriegerinnen im übertragenen Sinn; der Alltag erfordert Zielgerichtetheit, Mut und Unbeirrbarkeit. Dabei hilft ihnen Spiritualität; auch Niamh erfährt dadurch inneren Halt.

Waren die Kelten ein besonders spirituelles Volk?
Gelebte Spiritualität gehörte zum Alltag der Kelten. Sie waren Menschen voller Würde und Herz, die sich selbst als göttliche Funken in einer liebenden Natur betrachteten. Die Kelten waren davon überzeugt, dass wir wiedergeboren werden – übrigens eine Gewissheit, welche unsere Vorfahren mit vielen anderen Völkern der Erde teilen. Außerdem praktizierten sie Trancetechniken, und viele keltische Legenden schildern ihre übersinnlich erscheinenden Fähigkeiten.

Wird es eine Fortsetzung des Romans geben?
Ja, ich arbeite derzeit an zwei weiteren Manuskripten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Buchtipp
Niamh. Die Liebe der Kriegerin
ist im Ullstein / Forever-Verlag als E-Book,
ISBN 978-3-95818-008-6,und im Eigenverlag der Autorin, ISBN 978-3-942594-77-6, ehältlich