Gurmukh ist seit über 30 Jahren Lehrerin für Kundalini Yoga. Ihren Namen, der wörtlich übersetzt »die, welche die Worte göttlichen Wissens lebt und deren Essenz aus tiefstem Herzen mitteilt« bedeutet, erhielt sie von ihrem spirituellen Lehrer Yogi Bhajan. Er hat sich als absolut passend herausgestellt.

Kundalini Yoga1971 begegnete Gurmukh ihrem spirituellen Lehrer Yogi Bhajan zum ersten Mal in Tucson, Arizona. Als Meister des Kundalini Yoga war es seit seiner Ankunft in den USA 1969 seine Mission gewesen, Lehrer für diese spirituelle Wissenschaft auszubilden. Er prophezeite seiner Schülerin: »Du hast ja keine Ahnung, was dir alles geschehen wäre, wenn du nicht diesen Weg eingeschlagen hättest. Du hättest so viel durchmachen müssen. Du wirst eine komplette Wandlung erfahren.« Für Gurmukh haben sich diese Worte bewahrheitet. Sie kann heute sagen: »Auf dem Weg des Yoga wurde ich im tiefsten Kern geheilt. Ich bin regelrecht aufgeblüht und habe irgendwann die wahre Bestimmung meiner Seele erkennen können.«

Anfangs unterrichtete Gurmukh zu Hause, u. a. auch Stars wie Madonna und Gwyneth Paltrow. Später wurde sie Mitgründerin und Leiterin des Golden Bridge Yoga Center in Los Angeles, wo sie auch heute noch Menschen darin unterstützt, mittels Kundalini Yoga die eigene Seelenverbindung zu finden. Sie gehört außerdem seit vielen Jahren der Sikh-Religion an. Jedes Jahr fährt sie nach Indien, um ihren Geist zu erneuern und sich von diesem Land »belehren zu lassen«, wie sie in ihrem kürzlich auf Deutsch erschienenen Buch »Die 8 Gaben des Menschen« schreibt.

In den Jahrzehnten ihrer Tätigkeit als Yoga-Lehrerin hat Gurmukh sehr viel Weisheit geschöpft. Mit einer wunderbaren Einfachheit und Liebe gibt sie ihr Wissen weiter. Auch aus ihren geschriebenen Worten strahlt eine wahrhaftige Persönlichkeit, die viel über die Feinheiten und Geheimnisse des Kundalini Yoga vermitteln kann. Wie bei anderen Yoga-Arten stehen im Kundalini Yoga die Meditation und die Körperübungen, Asanas genannt, im Vordergrund. In erster Linie soll es dabei aber nicht um Selbstoptimierung, sondern um Selbstakzeptanz gehen. Diesen wichtigen Punkt betont Gurmukh immer wieder. Ohne Selbstakzeptanz kann man noch so viel üben, es wird immer ein Wettstreit mit dem eignen Innersten bleiben.

Auch die Illusion, dass man durch Yoga von allem Leid befreit werden könnte, lässt Gurmukh nicht bestehen. Es geht vielmehr um die Akzeptanz, dass Leiden existiert und immer wieder auftauchen kann. »Leiden ist ein Zustand, mit dem wir immer rechnen können. Das Leid ist nicht wählerisch und immer für uns da«, schreibt die Amerikanerin. Das Allerwichtigste, wenn wir etwas ertragen müssten, sei, nichts zu tun, erklärt sie.

Wurzelschleuse (Verjüngungsmeditation)
1. Sitzen Sie bequem mit gekreuzten Beinen auf dem Boden. Sollte das nicht möglich sein, können Sie sich auch auf einen Stuhl setzen; dabei sollten beide Füße flach auf dem Boden aufliegen und die Beine nicht gekreuzt sein.

2. Schließen Sie die Augen und fokussieren Sie sie auf das dritte Auge, den Punkt zwischen den Augenbrauen.

3. Verschränken Sie die Finger und pressen Sie die Daumenspitzen, die nach oben zeigen, fest aneinander. Legen Sie Ihre Hände in dieser Position in Ihrem Schoß ab.

4. Ziehen Sie das Mula Bandha (Mula= Wurzel, Bandah = Kontraktion) an, indem Sie gleichzeitig den Anus und die Geschlechtsorgane zusammenziehen und den Nabelbereich einziehen.

5. Halten Sie die Kontraktion in allen drei Zentren, während Sie einatmen und zu chanten beginnen: »Gott und ich, ich und Gott, sind eins«.

6. Atmen Sie aus. Entspannen Sie völlig. Dann atmen Sie erneut tief ein und wiederholen die Sequenz ab Punkt vier. Ziehen Sie bei jeder Wiederholung des Mantras noch ein wenig fester an.

7. Fahren Sie für drei bis elf Minuten fort.

Diese Meditation stärkt die Immunabwehr. Die Kontraktion führt schnell zu Stärke und Entschlossenheit und kann immer, wenn man sich müde oder erschöpft fühlt, angewendet werden.

Kundalini Yoga ist eine uralte Wissenschaft, die einst sehr geheim gehalten wurde. Ihr bekanntestes Symbol ist die Schlange, die für unsere Ur-Energie steht und am unteren Ende der Wirbelsäule ruht wie eine zusammengerollte schlafende Schlange. Durch Yoga wird diese zusammengerollte Schlangenkraft geweckt. Dabei rollt sie sich auf und schickt ihre Energie entlang der Wirbelsäule hinauf und hinunter. Das bezeichnet man als das »Erwecken der Kundalini«.

Mantras und Mudras

Im Kundalini Yoga werden bestimmte Bewegungen oder Atemabfolgen häufig mit Lauten begleitet, die entweder laut oder im Inneren gesungen werden. Durch die Wiederholung dieser »Mantras« wird eine Bewusstseinsveränderung erlangt. Das Singen bzw. Chanten von Mantras kann ungemein zum Wohlbefinden beitragen. Es bringt uns wortwörtlich in Schwingung. Aus der alten indischen Wissenschaft des »Naad«, welche die Mysterien der Welt des Klangs erforscht, weiß man, dass sich über den gesamten Gaumen verteilt 84 Meridianpunkte befinden. Durch das Rezitieren von Mantras schlägt die Zunge diese in bestimmten Kombinationen an und stimuliert sie.

»Im kommenden Zeitalter wird der mentale Wahnsinn immer weiter um sich greifen. Keine Medizin kann ihn heilen. Dann ist das Chanten im Naad Yoga am effektivsten. Es wird für einen ausgeglichenen Geisteszustand sorgen.«
Yogi Bhajan

In den Übungen und Meditationen des Kundalini Yoga werden neben den Mantras auch häufig »Mudras« erwendet. Diese speziellen Handhaltungen beeinflussen den Verlauf der Energien im Körper. In Kombination mit verschiedenen Blickrichtungen für die Augen regulieren und harmonisieren die Mudras den Fluss der Energien in den Meridianbahnen.

Acht Chakras

Besonderes Augenmerk hat Gurmukh auf die Chakras gelegt. Sie beginnen am unteren Ende der Wirbelsäule und setzen sich fort bis zum Scheitel des Kopfes. Zuerst lernt man, sich der eigenen Energiezentren bewusst zu werden. Die Chakras kann man sich als Energiewirbel vorstellen. Jedes strahlt eine bestimmte Energie aus und hat eine direkte Einwirkung auf unser Wohlbefinden.

Acht Chakras
1. CHAKRA (Ausscheidungsorgane)
BEGABUNG: Akzeptanz
FARBE: Rot
SCHATTENGEFÜHL: Groll, Starrsinn
ELEMENT: Erde

2. CHAKRA (Geschlechtsorgane)
BEGABUNG: Kreativität
FARBE: Orange
SCHATTENGEFÜHL: ausgeprägtes Manipulieren, Schuldgefühle
ELEMENT: Wasser

3. CHAKRA (Nabelzentrum)
BEGABUNG: Hingabe, Entschlossenheit
FARBE: Gelb
SCHATTENGEFÜHL: Wut, Gier
ELEMENT: Feuer

4. CHAKRA (Herzgegend)
BEGABUNG: Mitgefühl
FARBE: Grün
SCHATTENGEFÜHL: Angst, Anhaftung
ELEMENT: Luft

5. CHAKRA (Hals)
BEGABUNG: Wahrheit
FARBE: Blau
SCHATTENGEFÜHL: Ablehnung, Schroffheit
ELEMENT: Äther

6. CHAKRA (Drittes Auge)
BEGABUNG: Intuition
FARBE: Indigoblau
SCHATTENGEFÜHL: Verwirrtheit, Depression

7. CHAKRA (Scheitelpunkt)
BEGABUNG: Grenzenlosigkeit
FARBE: Violett
SCHATTENGEFÜHL: Trauer

8. CHAKRA (Aura)
BEGABUNG: Ausstrahlung
FARBE: Weiß
SCHATTENGEFÜHL: keines

Sie sind unterteilt in das »untere Dreieck«, welches sich auf die ersten drei Chakras bezieht, sowie das »obere Dreieck« (viertes bis siebtes Chakra). Die Spitzen der Dreiecke treffen sich im Nabelzentrum. Das achte Chakra stellt die Aura dar, die wie eine Blase die gesamte physische Struktur umgibt und eine Art Zusammenfassung oder Reflexion unseres Wesens als Ganzes ist. Des Weiteren steht jedes Chakra für eine bestimmte Begabung des Menschen. Um dies zu verdeutlichen, werden oft die positive wie auch die negative Qualität eines Chakras genannt, um es zu beschreiben. So sind die positiven Qualitäten des untersten Wurzelchakras Vertrauen und Akzeptanz, seine negativen Eigenschaften Groll und Anhaftung.

Die Techniken des Kundalini Yoga dienen dazu, das volle Potenzial jedes Chakras auszuschöpfen. Dennoch sollte man nicht glauben, dass alle Energiezentren dauerhaft in perfekter Balance sein werden. Perfektion ist laut Gurmukh nicht das Ziel. Das Ziel ist es, sich der Energie bewusst zu werden, die von einem Chakra ausstrahlt und diese dann flexibel einzusetzen.

Gurmukh schlägt ihren Schülern zu Anfang für die jeweiligen Übungen eine Dauer von drei Minuten vor. Von da aus kann man sich steigern auf 7, 11 bis 31 Minuten. Diese genauen Zeitangaben haben mit der Bedeutung der Zahlen in der Tradition des Kundalini Yoga zu tun. Da die menschliche Wirbelsäule 26 Wirbel hat, wird z.B. eine Bewegung oft 26-mal wiederholt. Grundsätzlich gilt: Je länger eine Übung ausgeführt wird, desto größer ist die Wirkung.

Auch die Meditationen sollten ohne Perfektionswahn gemacht werden. Wer meditiert, muss dabei nichts erreichen. Meditation ist wie eine »Clearingstelle« für den Geist, die dem Bewusstsein Raum zur Entfaltung gibt. Will man die Begabung eines bestimmten Chakras entwickeln, ist es ratsam, die Meditation dafür über einen Zeitraum von 40 Tagen zu praktizieren. Diese Dauer ist nötig, damit eine Veränderung wirklich greift.

1. Chakra: Akzeptanz und Vertrauen

Wir verbinden uns durch das erste Chakra mit der Erde, unserer Stärke, dem instinktiven Teil in uns. Es bildet unsere Grundlage, unsere Selbst-Sicherheit, das Urvertrauen. Im ersten Chakra ist auch die menschliche Fähigkeit zur Akzeptanz angelegt. So wie sich dieses Chakra an der Basis des physischen Körpers befindet, so bildet Akzeptanz die Grundlage unseres spirituellen Körpers. Hier ist der Anfang von allem. Hier liegt unsere Fähigkeit zu vertrauen, zu vergeben, uns selbst vollständig anzunehmen und Schuldgefühle loszulassen. Um wirklich akzeptieren zu können, müssen wir mit unserer ureigenen menschlichen Natur Frieden schließen.

Man kann einmal auf das erste Chakra meditieren und versuchen, es zu spüren. 72.000 Nervenenden führen in diesem Bereich zusammen. Und es gibt natürlich eine Menge Übungen, die helfen, das erste Chakra zu harmonisieren. Anspannung im unteren Rücken und Verkrampfungen im Unterleib, die von Widerstand gegen Aspekte unseres Lebens herrühren, können sich lösen und eine gute Basis für die weiterführende Yogapraxis schaffen.

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Die 8 Gaben des Menschen Die Chakras heilen und stärken durch Kundalini Yoga
260 Seiten, 19,95 €
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Theseus Verlag
Kategorie: Psyche & Körperarbeit | Keine Kommentare
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