Anstatt sich über einen Ohrwurm zu ärgern, sollten Sie einmal auf den Text achten: Er könnte Ihnen etwas zu sagen haben. Oder: Sie sind unterwegs und Ihr Blick bleibt an einem bestimmten Werbe-Plakat hängen. Zufall oder eine Botschaft der Intuition? Für Coach Diana Dawn Kavian ist es definitiv eine Botschaft. Intuition ist unser Zugang zu Wissen, dessen Herkunft nicht erklärbar ist. Sie ermöglicht eine tiefergehende Wahrnehmnung – und kann trainiert werden.

IntuitionIntuition ist immer noch eine Sache, der oft mit dieser gewissen Mischung aus Staunen und Misstrauen begegnet wird. »Weibliche Intuition« ist bereits ein fester Begriff, allerdings ein etwas irreführender, da sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen intuitiv sein können. Bei vielen Menschen scheint die Intuition jedoch nicht sonderlich ausgeprägt zu sein. Vielleicht hat sie sich im Laufe der Evolution zurückgebildet, da unser Leben zu sicher oder zu verstandesbetont geworden ist. Unser Verstand braucht klare Regeln, die einfache Sicherheit des Ja oder Nein; aber er stellt eben nur eine Seite der menschlichen Potenzials dar.

Oft missachten wir die feinen Eingebungen unserer Intuition. Wir haben das Vertrauen in diese Art des Wissens verloren. Aber damit haben wir auch das Vertrauen in uns selbst verloren, denn die Verbindung zu einem Wissen jenseits des Ratio ist Teil unseres menschlichen Erbes. Verstandesbetont zu sein ist in unserer Zeit angesehener, das lässt es weniger reizvoll erscheinen, der Intuition mehr Raum zu geben. Preise und Auszeichnungen gehen gern an die, die brillant mit Zahlen und Theorien umgehen können. Dabei wird oft vergessen, dass die größten wissenschaftlichen Entdeckungen auf Intuition oder Träumen beruhen.

Intuition, eine Gabe

Intuition zeigt sich, wenn wir ohne Grübelei und Selbstzweifel, klar, spontan und reflexartig das tun, was gerade wichtig ist, oder wissen, was die tiefere Bedeutung einer Situation ist. Intuition ist eine Wahrnehmung, die über die körperlichen Sinne hinausreicht, die uns schöpferisches Wissen anbietet, das wir für alle Bereiche unseres Lebens nutzen können.

Ohne die Führung der Intuition zu leben bedeutet, unser Innerstes zu ignorieren. Wie Blinde tappen wir im Dunkel der Welten, die hinter dem Schleier, parallel zu unserer alltäglichen Welt existieren und von uns wahrgenommen werden wollen. Stattdessen sind wir auf die Oberfläche konzentriert, verbringen viele Stunden damit, gut auszusehen, Bilder von menschlichen oder künstlichen Fassaden zu begutachten, oberflächliche Floskeln auszutauschen oder uns willig vom Schein der Medienwelten blenden zu lassen.

Mittels Intuition gelangen wir hingegen wieder zu unserem inneren Kern, wo unsere Herzensweisheit liegt und unsere Verbindung zu etwas »da draußen«, das mehr über unsere Bestimmung zu wissen scheint als wir selbst. Intuitiv können wir erkennen, dass die Welt auf mehreren Ebenen wahrgenommen werden kann, ganzheitlich, mehrdimensional. Durch Intuition wird uns klar, dass tatsächlich alles miteinander verbunden ist, denn wir spüren die energetische Verbindung zu anderen Menschen und Geschehnissen. Diese Verbindung wird auch durch die Tatsache deutlich, dass Intuition weder lediglich aus uns selbst noch von außen zu kommen scheint. Vielmehr bewegt sie sich auf einer Metaebene, die auch den Verbindungskanal stellt.

Auf der Metaebene

Für Diana Kavian steht fest, dass eine gut funktionierende Intuition Beziehungen erfolgreicher macht und Gewünschtes schneller ins eigene Leben zieht. Wir sollten dabei immer auch ein Augenmerk darauf haben, was das Leben uns schenken will, denn manchmal schätzen wir die Dinge, die in unser Leben treten, nicht genügend, sondern sind unzufrieden mit dem, was ist. Genau an diesen Punkten befindet sich jedoch großes Lernpotenzial.

Um wieder einen besseren Zugang zu unserer Intuition zu bekommen, ist eine Verschiebung der Aufmerksamkeit erforderlich. Intuitive Menschen achten z.B. nicht nur darauf, was gesagt wird, sondern auch, wie, wo und wann etwas gesagt wird. Sie achten auf ihre Gefühle, während sie etwas wahrnehmen, und lassen ihren Verstand nicht ständig dazwischenfunken. Coach und Autorin Diana Dawn Kavian gibt Einzel- und Gruppen-Seminare zum Training der eigenen Intuition. In ihrem Buch zum Thema schreibt sie, dass es wichtig ist, alle Sinne, die man zur Verfügung hat, zu schärfen, d.h. neben dem »sechsten Sinn« auch die anderen fünf Sinne zu verfeinern. Häufig teilt sich nämlich eine Intuition über einen der körperlichen Sinne mit. Auch Gefühle können eine Intuition ankündigen, da sie eine gute Brücke zu der erwähnten Metaebene bilden.

Die eigene Intuition ist erweckt, wenn wir ganz uns selbst vertrauen und Entscheidungen treffen, die nicht nur rational, sondern auf allen Ebenen befriedigen. Die Krux an der Sache sind allerdings unsere Gewohnheiten und Muster. Diese sollten achtsam sondiert und gegebenenfalls bearbeitet werden. Mit genügend Übung können wir dann lernen, die Dinge umfassender wahrzunehmen. Eigentlich ist es schon erstaunlich, wie schnell unsere Aufmerksamkeit die Welt verändern kann. Halten Sie z.B. einmal Ausschau nach hellblauen Autos. Sie werden erstaunt sein, wie viele Sie plötzlich sehen …

Die Werkzeuge

Ein Werkzeug zum Verfeinern der Intuition ist das Dritte Auge. Dieses energetische »Tor«, das genau zwischen den Augenbrauen liegt, ist mit der Zirbeldrüse verbunden und ermöglicht ein inneres, ein energetisches »Sehen«. Dass die nicht-materiellen Ebenen der Welt uns normalerweise verborgen sind, zeigt uns ein Blick durchs Mikroskop. Zuerst erscheint z. B. ein Tisch als eine glatte oder raue Oberfläche. Wenn man näher heranzoomt, zeigt sich die Struktur als eine Landschaft aus Tälern und Bergen. Bei noch näherem Heranzoomen besteht er plötzlich aus kleinen Molekülen, die in steter Bewegung sind. Schließlich sieht man: Die Teilchen, aus denen der Tisch besteht, verschwinden und tauchen wieder auf! Letztendlich kann man nur zu der Vermutung kommen, dass der Tisch eigentlich gar nicht da sein dürfte.

Auch das Herz spielt laut Diana Kavian eine aktive Rolle beim Intuitionstraining. Nicht umsonst sagt der kleine Prinz: »Man sieht nur mit dem Herzen gut.« Wissenschaftler wissen inzwischen, dass das Herz ein eigenes unabhängiges Nervensystem mit mindestens 40.000 Neuronen hat – so viele wie die verschiedenen Gehirnareale. Es kommuniziert mit dem Gehirn und dem Rest des Körpers durch Übertragung von Nervenimpulsen und durch elektromagnetische Wechselwirkungen, wobei es das stärkste und umfassendste elektromagnetische Feld des Körpers erzeugt. Dieses Feld ist fast 500-mal stärker als das magnetische Feld des Gehirns und kann mehrere Meter vom Körper entfernt noch gespürt werden. Es nimmt aus der Umgebung Informationen auf, decodiert sie und leitet sie an das Gehirn weiter. Aber haben wir es nicht ohnehin schon gespürt: Wenn wir auf unser Herz hören, bringen unsere Entscheidungen immer die größte Freude …

Signale des Körpers wie Schmerzen, Spannungen, Müdigkeit, Freude und Ärger sind ebenfalls wertvolle Mitteilungen, die uns auf etwas hinweisen wollen, was wir nicht umfassend genug sehen. Tatsächlich ist der Körper ein guter Empfänger von intuitiven Impulsen. Als multidimensionale Wesen sollten wir vollständig in unserem Körper verankert sein, so dass wir spontan und intuitiv reagieren können. Dadurch beginnen wir auch die feinen Energien zu spüren, die in und um uns herum in stetigem Wechselspiel stehen.

Um die nötige Aufmerksamkeit für die Impulse der Intuition zu erhalten, eignen sich auch das Achtsamkeitstraining sowie die Meditation. Beide erleichtern zudem das Aufspüren von Widerständen, die der Entfaltung der Intuition entgegenstehen. Widerstand kommt meist aus dem Verstand. Erst wenn wir etwas in Gut oder Schlecht einteilen, beginnen wir Widerstand zu erzeugen, da wir Unangenehmes vermeiden wollen. Doch der Widerstand verstärkt das Unangenehme nur. Widerstand steht im Grunde dem Leben selbst entgegen, denn Leben bedeutet Veränderung, Wachstum, Fließen. Schmerz und Verlust gehören nun einmal dazu. Statt Widerstand zu erzeugen, sollte man die aufkommenden Regungen beobachten und das unangenehme Gefühl annehmen und ihm Ausdruck verleihen. So löst es sich meist von selbst auf.

»Was auch immer du suchst, wartet auf dich«, erläutert Diana Kavian. Sie rät, Vertrauen in den Fluss des Lebens zu haben, der uns immer vorantreibt zu neuen Erfahrungen und Lektionen. Im Fluss sein bedeutet für sie, dem inneren Wissen zu folgen und Zeichen oder »Winke des Schicksals« zu erkennen. »Ich vertraue dem Universum, das immer einen soliden Weg für mich zu pflastern scheint«, sagt sie dazu, »diese scheinbar zufälligen Ereignisse bekräftigen immer, dass ich mich nach dem ausrichten soll, was mein Herz mir sagt und sich wirklich wünscht.«

Symbole und Synchronizität

Symbole sind das Vokabular der Intuition. Was uns im Tiefsten berührt, lässt sich kaum in Worte fassen. Um uns ganzheitlich auszudrücken, bedienen wir uns daher gern der Symbole, die eine Art Universalsprache sind und immer einen irrationalen, multidimensionalen Aspekt enthalten, der sich der logischen Erklärung entzieht und dennoch unmittelbar intuitiv verstanden wird. Uns der Symbole zu bedienen ist daher eine gute Möglichkeit, die persönlichen intuitiven Kräfte zu stärken und auszubauen.

Durch das Wahrnehmen von symbolträchtigen Momenten werden uns auch Synchronizitäten bewusster. Diese meist als Zufall angesehenen Vorfälle passieren jedem von uns. Man muss sie nur bemerken. Für Kavian sind Synchronizitäten ein Zeichen, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Sagen wir Ja zum Leben in all seinen Facetten, dann erkennen wir Synchronizitäten besser, als wenn wir dem Leben gegenüber verschlossen bleiben.

Synchronizität geschieht durch das Zusammenspiel von Menschen, Orten oder Ereignissen. Je höher Ihr Bewusstsein ist, desto leichter ist es, im Fluss der Synchronizität zu leben. Auf den ersten Blick scheinen Synchronizität und Intuition getrennte Phänomene zu sein. Synchronizität passiert außen, Intuition geschieht hingegen innen. Es ist, als würde ein innerer Prozess in der äußeren Welt sichtbar und bestätigt. So sind Synchronizität und Intuition zwei Seiten einer Medaille.

Achten Sie also auf alles, was um Sie herum geschieht. Es macht das Leben nicht nur spannender, sondern verleiht ihm auch mehr Tiefe. Je mehr Sie sich als Teil Ihrer Umwelt begreifen, desto mehr beteiligen Sie sich an dem lebendigen Tanz des Lebens, dessen Energien unvorstellbar vielfältig sind. Mit etwas Neugier und einem offenen Geist lassen sich hier Welten entdecken, die nur einen Augenaufschlag entfernt liegen!

Diana Dawn Kavian
Diana Kavian, Jahrgang 1976, ist gebürtige Kenianerin. Mit neun Jahren kam sie nach Deutschland. Sie wurde Model, war dabei jedoch immer den tieferen Fragen des Lebens auf der Spur. Nach einer »übersinnlichen« Erfahrung trat sie mit 18 Jahren in ein buddhistisches Kloster ein. Ihre Ausbildungen zur psychologischen Beraterin und Atemtherapeutin lässt Sie heute ebenso in ihre Coaching-Tätigkeit einfließen wie die vielen Erfahrungen, die sie auf Reisen und beim Studium der spirituellen Lehren dieser Welt gesammelt hat.

Buch-TIPP
Diana Dawn Kavian
Erwarte das Unerwartete:
In 21 Tagen zur eigenen Intuition

224 Seiten, € 17,90
ISBN: 978-3-89060-639-2
Verlag Neue Erde

Kategorie: Psyche & Körperarbeit | Keine Kommentare
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