Seit es Menschen gibt, gibt es das wundervolle Geheimnis der Liebe und die abgründigen Dramen der Eifersucht. Häufig wird mehr über Eifersucht als über Liebe gesprochen, da ihre Auswirkungen manchmal so verhängnisvoll sind, dass sie negative Schlagzeilen machen. Erfüllte Beziehungen bieten keine „Story“, aber der eifersüchtige Ehemann, der seine Frau und ihren Geliebten ersticht, findet sich auf der Titelseite der Boulevard- Presse wieder. Warum habenThemen wie Eifersucht, Treuebruch, Besitzansprüche und Seitensprünge einen so hohen Stellenwert bekommen? Und warum sind sie so stark mit Angst besetzt?
Es gibt zahllose Veröffentlichungen, die in hehren Worten über die universelle Liebe schreiben und über die „finale“ Verschmelzung zweier Seelen zu einem höheren Ganzen. Alle sind Eins und alle sind in Liebe verbunden. Das klingt überaus romantisch und verklärt die Liebe ein wenig im Ungeist moderner „Daily Soaps“, die zwischen 18 und 20 Uhr auf allen TV-Sendern laufen. Aber wie sieht die Realität aus?
Wenn eine Frau entdeckt, dass ihr Partner seit Jahren eine Beziehung mit ihrer besten Freundin hat, dann ist es meist mit der „absoluten Liebe“ nicht weit her. Die Wirklichkeit spricht eine harte, meist wenig romantische oder spirituelle Sprache. Da geht es um die klassische Eifersucht, um Verlustängste und Enttäuschungen. Schöne Bücher mit rosa Einband über die universelle Liebe helfen dann plötzlich nicht mehr. Der Alltag sieht grau und düster aus. Sie fühlt sich hintergangen, betrogen und missbraucht. Alle diese Gefühle sind weit weg von einer tiefen Spiritualität – aber sie sind da. Sie existieren und fordern massiv ihr Recht ein! Was ist zu tun?
Es gibt Ansätze in der modernen Psychologie, die empfehlen, über Eifersucht und Untreue nicht zu sprechen. Alle Beteiligten sollten Schweigen bewahren und versuchen, die eigenen Gefühlswogen zu glätten. Das kann man natürlich machen; aber wäre es nicht angebracht, erst zu untersuchen, was Treue eigentlich bedeutet? Das Wort „Treue“, das aus dem Mittelhochdeutschen „triuwe“ entstanden ist, bezog sich einst auf Verlässlichkeit, auf innere Bindung und Seelenverwandtschaft. Die Qualitäten, die darin zum Ausdruck kamen, spielten auf einer viel höheren Ebene als jener von „Bettgeschichten“. Es ist seltsam, dass in unserer Zeit Treue praktisch ganz auf die sexuelle Dimension beschränkt wird. Jahrzehntelang war etwa im Scheidungsrecht die „eheliche Untreue“ im Sinne des „Seitensprunges“ von zentraler Bedeutung. Als wenn Sex der Kern einer Liebesbeziehung wäre!? Oder trifft dies für Sie tatsächlich zu?
Wenn in einer Beziehung Nebenbeziehungen ins Spiel kommen, entsteht häufig Unklarheit. Es zeigt sich ein „energetisches Ungleichgewicht“, das in der Regel für alle Beteiligten spürbar ist. Meist geht es mit starken Emotionen einher, die von Enttäuschung und Verzweiflung über Zorn und Wut bis hin zu Racheschwüren reichen. Sollten Ihnen diese Gefühlswallungen vertraut sein, lassen Sie sie zu! Sie können sie nach außen bringen, was allerdings häufig, wenn sie auf die anderen Beteiligten gerichtet sind, wenig hilfreich ist. Ein emotionaler Angriff löst meist eine emotionale Abwehrreaktion aus. Sie können sie durch Schreien oder hemmungsloses Schluchzen zum Ausdruck bringen, aber nur, wenn Sie allein in Ihren vier Wänden sind. Dann nehmen Sie sich einen Moment zurück und betrachten sich gleichsam von außen? Möchten Sie sich so sehen?
Vielleicht schreiben Sie Ihre Gefühle auch auf oder Sie stürzen sich in wilden Aktionismus. Da werden Wohnungen vollständig umgeräumt oder es gibt eine ungehemmte Urlaubsreise mit der besten Freundin, bei der Sie so richtig „die Puppen tanzen lassen“. Nur steht am Ende dieser Ausbrüche noch immer das alte Problem. Wie gehen Sie mit Ihrem Partner jetzt um? Lassen Sie Ihr Leben weiterlaufen wie bisher, nach dem Motto: „Business as usual“? Oder nutzen Sie die Gelegenheit, um sich die Frage zu stellen: „Was will mir diese Situation klar machen?“
Wenn Sie in der „Eifersuchts-Falle“ stecken, dann geht es nur um einen Menschen: um Sie selbst! Sie können eine entscheidende Lehre aus dieser Lektion ziehen: Es geht um Ihr Selbstwertgefühl, um Ihren Minderwertigkeitskomplex. In letzter Konsequenz geht es um Ihren innersten Wesenskern, wie Manuela Oetinger in ihrem Buch „Beziehungen im Spiegel der Aura“ aufzeigt. Sie macht deutlich, dass gerade Beziehungskrisen Chancen für inneres Wachstum enthalten. Die ganze Palette des Themas „Eifersucht“ spiegelt Ihnen alle „unerledigten Hausaufgaben“, von der Einsamkeit über die Lebensangst bis hin zur Sinnsuche. Der „untreue“ Partner ist nur der sinnstiftende Katalysator, der Sie zum inneren Erwachen bringt. Vielleicht führt dieses Aufwachen dann erstmals zu einem wirklichen Dialog – zwischen Ihnen und allen Beteiligten. Wenn es Ihnen gelingt, diesen Schritt zu machen, werden Sie sehr viel über menschliche Bedürfnisse lernen: über Ihre und über die anderer Menschen. Darin geht es um Respekt, um Verständnis oder um „das Nährende“ in einer Beziehung. Ihr Partner hat sich vielleicht gar nicht auf eine andere Beziehung eingelassen, weil die andere Frau so viel „toller“ ist als Sie, sondern vielleicht, weil er von ihr etwas empfangen hat, was er als „nährend“ oder „bereichernd“ für sein eigenes Leben empfunden hat. Es geht also gar nicht „gegen Sie“, sondern es geht um das „für ihn“.
Eifersucht, wenn sie in ihrer zerstörerischen Komponente gelebt wird, führt Sie weg von Ihrer Wesensmitte. Sie ist eine destruktive Energie, die nur Schaden anrichtet und kein einziges Problem löst. Sie führt letztlich zu einem Verlust der Selbstachtung und der Selbstkontrolle. Sie endet irgendwann vor einem Beziehungs-Scherbenhaufen, vor dem die Eifersüchtige in Selbstmitleid versunken wie ein Häufchen Elend sitzt und über die Ungerechtigkeit der Welt jammert. Das Leben hat es so schlecht mit ihr gemeint. Alle sind glücklich, nur sie selbst ist benachteiligt worden. Nehmen Sie sich in Ihrem Kummer einmal zurück und schauen sich dieses Bild an. Möchten Sie so sein?
Wie beginnt die Eifersucht? Sie beginnt mit Vergleichen und endet mit Verlustangst! Eine Frau, die nur über ein geringes Selbstwertgefühl verfügt, wird zwangsläufig die „starke Frau“ wittern und annehmen, ihr Partner finde diese attraktiver. Doch diese Stärke liegt auch in Ihnen! Sie sind eine einzigartig schöne und attraktive Frau! Seien Sie sie selbst! Es ist völlig unbedeutend, ob eine andere Frau beruflich erfolgreich, mit körperlichen Idealmaßen versehen oder der Intelligenz eines NASA-Computers ausgestattet ist. Sie sind Sie! Sie sind mit nichts zu vergleichen! Erst wenn Sie diese Einzigartigkeit auch anerkennen, sind Sie wirklich beziehungsfähig. Und wo bleibt dann ein Grund für Eifersucht? Sie können Ihr inneres Licht ausstrahlen, wo immer Sie gerade stehen und leben. Sie bereichern die Welt und Ihre Beziehungen um Ihre einzigartige Qualität. Da geht es nicht mehr um Besitz und Angst, sondern um Sich-Verschenken und um wirkliche Liebe. Sie werden nicht länger durch die negative Kraft der Eifersucht bestimmt, sondern durch die positive Kraft der selbstlosen Liebe. Selbstlos in diesem Zusammenhang meint die Umkehr in einer Beziehung vom Haben-Wollen zum Geben-Wollen. Wenn Ihr Lebensziel darin besteht, andere glücklich zu machen, indem Sie Ihre Herzensqualität weiterschenken, dann wird über diesen wunderbaren Fluss der Liebe so viel auch zu Ihnen fließen, dass Sie nicht mehr das Gefühl haben, sie „bräuchten“ einen Partner, um eine mögliche innere Leere zu füllen. Sie sind innerlich erfüllt – und dadurch werden Sie reif für eine wahre Partnerschaft.
Unterschätzen Sie niemals die Macht der Eifersucht! Eifersucht ist eine außerordentlich schlaue und trickreiche negative Kraft. Sie verkleidet sich in schöne Worte und zerstört im „Namen der Liebe“. Sie setzt vor allem die erpresserische Waffe von Schuldgefühlen ein. „Wenn Du mich wirklich lieben würdest, dann würdest Du keinen Tag ohne mich verbringen!“ „Wenn Dir unsere Liebe wirklich wichtig wäre, dann würdest Du nicht mit …. dorthin fahren!“ „Wenn Du wüsstest, wie schlecht es mir allein zu Hause geht, dann würdest Du abends nicht noch mit anderen Leuten weggehen!“ Die Reihe dieser Sätze wäre beliebig fortzusetzen.
Jede Frau hat sie schon gehört oder selbst gesagt. In Wahrheit heißen diese Sätze aber ganz anders: „Ich habe Angst, allein zu sein. Ich komme mit mir nicht allein zurecht!“ „Mein Alltag ist so langweilig. Du bist dafür verantwortlich, dass es mir besser geht!“ Auch diese Reihe von Sätzen wäre beliebig fortzusetzen. In ihrer Essenz ist Eifersucht die Angst des kleinen menschlichen Egos – bei Frauen wie bei Männern. Der Partner soll die eigenen unerledigten Hausaufgaben lösen. Er ist verantwortlich für mein Glück! Doch natürlich ist er es nicht. Niemand außer Ihnen selbst kann Ihre innere Leere füllen und einen Sinn in Ihr Leben bringen. Wenn die Eifersucht sie überwältigt, dann zeigt Sie Ihnen schonungslos auf, wo die Lernaufgaben in Ihrem Leben liegen. Nehmen Sie diese Herausforderung dankbar an, nutzen Sie sie – und verwandeln Sie sich. Sie werden erstaunt sein, wie sich Ihr Beziehungsleben verändert und wie schnell das Gespenst der Eifersucht verschwindet.
Sie werden nach dieser Transformation mit neuen Augen auf Ihren Partner schauen und vielleicht erkennen, dass es Aspekte in seinem Leben gibt, die Sie nicht erfüllen können. Aber das spricht nicht im Geringsten gegen diese Beziehung. Vielleicht werden Sie im selben Augenblick auch feststellen, dass es Ihnen ähnlich geht. Und auch das spricht nicht gegen diese Beziehung. Ganz im Gegenteil: Wenn es Ihnen gelingt, mit Ihrem Partner offen über Aspekte zu sprechen, die durch andere Menschen „nährend“ in Ihr Leben gebracht werden, dann wird diese Offenheit Ihre Beziehung in einem für Sie bisher ungeahnten Ausmaß stärken. Außerdem wird diese Offenheit eine starke Außenwirkung auf die ebenfalls beteiligten Personen ausüben und wäre ein erster, ganz wichtiger Schritt, um neue Dimensionen im zwischenmenschlichen Zusammenleben aufzuzeigen.
Wenn Sie klug mit Ihrem Leben umgehen, kann es Ihnen gelingen, die latent in jedem Menschen angelegte Eifersucht innerlich zu transformieren. Dann werden Ihnen die äußeren „Dramen“ erspart bleiben. „Wo Liebe ist, kann Leid nicht sein“, lautet ein Satz von Krishnamurti. Und natürlich kann „Leid“ auch durch „Eifersucht“ ersetzt werden. Liebe lässt verstehen. Liebe lässt zu. Liebe will nicht Besitz ergreifen. Liebe zeigt, dass es nicht um Nehmen und Haben-Wollen, sondern um Geben und Sich-Verschenken geht.
Der Mutigen gehört die Welt
124 Seiten, € 8,50
ISBN: 978-3-89427-478-8
Aquamarin Verlag













