Die Welt ist bunt, schnell und chaotisch. Oder wirkt sie nur so? Wie wir ihre Reize aufnehmen und verarbeiten, ist eine Entscheidung, die wir in unserem Inneren treffen. Wir alle agieren und bewegen uns in einem »Weltinnenraum«, der die Welt außen maßgeblich prägt und gestaltet. In ihm liegt das Potenzial und unsere Chance, die Welt zu verändern – von innen heraus.

Die Aktivierung des WeltinnenraumsAlle Jahre wieder, passend zum Jahreswechsel, bietet sich uns die Chance, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und mit guten Vorsätzen ein neues, besseres Leben zu beginnen. Das Ende eines Kalenderjahres als symbolisches Ende einer schlechten Gewohnheit oder einer unbefriedigenden Situation ist dafür ein passender, formaler Rahmen. Er vermittelt den Abschluss eines Kapitels. Ab jetzt wird alles anders.

Wie oder auf welche Weise man eine Veränderung bestmöglich bewerkstelligt, verrät uns ein buntes Sammelsurium von Diätratgebern, Nicht-Raucher-Programmen, Fitnessstudiomitgliedschaften und Datingbörsenaccounts. Jetzt wird der Unterschied zwischen dem Soll-Zustand und dem Ist-Zustand aufgearbeitet, bis die beiden sich entsprechen und man zufrieden in den Spiegel lächeln kann. Schon viel früher hätte man damit anfangen sollen. Oder hat man das nicht auch? Letztes Jahr?

Neben dem Rätsel um das Bermudadreieck und der Überlegung, warum der Weißes-T-Shirt-Tag immer auf den Spaghetti-mit-Tomatensoße-Tag fällt, ist das große Rätsel der Menschheit doch, warum man nicht einfach der Mensch sein kann, der man so gerne sein möchte. Die meisten von uns haben nämlich eine sehr konkrete Vorstellung davon, was für ein Charakter sie gerne wären, welche ausgefallenen Hobbys sie gerne hätten, welche anspruchsvollen Bücher sie gelesen und auf welch unkonventionelle Weise sie gerne fremde Länder bereist hätten. Was veranlasst uns dann aber dennoch dazu, schlechte Laune zu haben, zu viel fernzusehen, Liebesschnulzen zu lesen oder den All-inclusive-Urlaub zu buchen?

Ewiger Kreis der Ausnahmen

Meistens scheitern unsere neuen Lebensentwürfe an dem verschlagenen Umstand, den wir »Ausnahme« nennen. Er kommt meist unschuldig daher, indem er auf eine Sondersituation verweist. Er suggeriert uns, es handle sich um eine Kleinigkeit, um etwas, das die Regel bestätigt und in Zukunft nicht mehr vorkommen wird. Und so eine Ausnahme erlauben wir uns nur, weil der Chef schon wieder so unfair war, wir einen Strafzettel bekommen haben, es regnet oder wir schon spät dran sind.

Man gönnt sich das Verhalten, welches man erst kürzlich als etwas Schädliches erkannt hatte. Aus dem Laster ist ganz schnell eine Belohnung für die harten Umstände geworden. Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt, unseren alten Verhaltensmustern. Die äußeren Umstände sind nicht wirklich der Grund für unsere Entscheidung. Es ist lediglich die Art, wie wir die Rahmenbedingungen in Bezug zu uns setzten. Und die Art, wie das Außen nach innen kommt, wird durch unseren »Weltinnenraum« geprägt.

newsage 1/2013
Chakraheilung. Das Titelthema der newsage-Ausgabe 1/2013 dreht sich rund um die Frage: »Wie können wir Spiritualität authentisch im Alltag leben?«
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Aus dem Innen kommt der fluchende Ärger über einen plötzlichen, Dreck aufwirbelnden Regenschauer und nasse Füße oder der spontane Genuss von Regentropfen auf dem Gesicht, dem man mit einem tänzelnden »I’m singing in the rain …« den passenden Ausdruck verleiht. Von innen kommt auch das Verstehen, dass der Vorgang in den Wolken das Ergebnis eines Kondensationsprozesses und notwendig für das Pflanzenwachstum ist. Von außen ist es in allen Fällen einfach Regen.

Demnach ist es etwas im Inneren, was die Welt für uns errichtet. Und mit dem Schlagwort »Weltinnenraum« hat diese Annahme auch ihre Theorie gefunden. In der spirituellen Literatur ist es fast schon ein Trendbegriff, wobei sich das, was der Weltinnenraum beschreibt, nicht so einfach umreißen lässt. Weit gefasst, beinhaltet er sowohl Bewusstsein als auch das Unterbewusste, genauso wie die Seele und all unsere physischen, mentalen, emotionalen und energetischen Körper. Besser verständlich wird er jedoch, wenn man ihn seinem Pendant gegen-überstellt: Unter dem »Weltaußenraum« versteht man weitläufig den Rahmen, in dem wir uns befinden. Darunter fällt beispielsweise unser trautes Heim. Ebenso die Kultur, die unsere Gesellschaft prägt, und die Trends, mit denen wir uns umgeben. Noch viel gewaltiger erscheint uns der Weltaußenraum als Finanzkrise, als Artensterben oder Klimawandel in kaum vorstellbaren Dimensionen.

Und während wir in Bezug auf den Bereich unserer Wohnung und unseres Arbeitsplatzes noch zuversichtlich sind, die Fäden in der Hand zu halten, vermittelt uns der ferne, unübersichtliche Bereich globaler Ereignisse ein Gefühl von Ohnmacht. Denn die komplexen, äußeren Vorgänge entziehen sich unserem Verständnis. Dazu kommt eine nahezu ständige Reizüberflutung durch Information. Dieses Überangebot strömt über eine Bandbreite verschiedener Medien mit Radioshows, Internet-Blogs, Nachrichtensendungen, Live-Berichterstattungen und Exklusivinterviews auf uns ein. Sie führen uns vor Augen, wie komplex das Außen ist. Und noch mehr: Die Medien stellen auch Maßstäbe auf. Zum Beispiel den Maßstab für ein absolut optimiertes Leben, in dem alles erreicht wird: Erfolg, Karriere, Wohlstand, gutes Aussehen, ein attraktiver Partner. Wer macht diese Maßstäbe, wenn vielleicht auch nur in Teilen, nicht zu seinen eigenen?

Den eigenen Weltinnenraum aktivieren!

Die Anforderungen von außen finden ihr Echo im Inneren. So herrschen im Weltinnenraum oft Zustände, die von einer harmonischen Idylle weit entfernt sind. Stress, Sinn- und Identitätskrisen, Traumata, Leistungseinbrüche, Konditionierungen, wiederkehrende, oft unliebsame Verhaltensmuster und Automatismen machen uns das Leben schwer. Mindestens in dem selben Maße wie die Umstände des Weltaußenraums. Deshalb lautet die Devise: den eigenen Weltinnenraum aktivieren.

Was zunächst wie die intergalaktische Aufgabe eines neuen Science-Fiction-Helden klingt, ist auf den zweiten Blick die Möglichkeit, über das Innen das Außen zu verändern. Die Schnittstelle ist dabei der Mensch. So verstanden, birgt der Weltinnenraum ein großes Potenzial: Er ist das Vermögen den Menschen, mit dem Weltaußenraum zu versöhnen. Doch dafür müssen Disharmonien und Blockaden im Weltinnenraum beseitigt werden.

Während am »Was« festgehalten wird, kann z. B. kein Fortschritt stattfinden. Dazu bedarf es vielmehr der Änderung des »Wie«. Sicherlich haben sich die meisten Menschen schon gefragt, wie es sein kann, dass sie die gleiche Situation immer wieder erleben. Obwohl sie sich von dem herablassenden Chef und der unbefriedigenden Anstellung getrennt haben, sitzen sie schon bald wieder in einem Job, in dem der Vorgesetzte sie nicht ernst nimmt und ihnen keine Verantwortung überträgt. Da liegt doch die Frage nahe, ob sie diese Art Arbeitsstelle anziehen. Und die Antwort ist schlicht und einfach: Ja!

»Wie innen, so außen«, sagt auch der Autor Mike Kaiser. In seinen weitreichenden Überlegungen zur »Aktivierungen des Weltinnenraums«, so auch der Titel seines neuen Buches, erklärt er diesen Umstand. So sieht er das Gesetz für Analogie und Resonanz in der persönlichen Verantwortung eines jeden, da der Weltaußenraum immer nur das Spiegelbild des Weltinnenraums ist. Die vorhandenen Begebenheiten im Weltaußenraum verändern zu wollen kommt einem Kampf gegen Windmühlen gleich. Erst wenn im Inneren eine Transformation stattgefunden hat und neue Ansatzpunkte gefunden wurden, erst wenn das »Wie« ein andres ist, dann ändern sich auch die äußeren Umstände.

Was sich gewandelt hat, sind dann nicht die Dinge selbst, sondern das Bewusstsein und die Denkweise. Erst in Reaktion auf diese innere Wandlung gestaltet sich unser Weltaußenraum neu. Dazu bedarf es folglich auch eines gesunden Verhältnisses zu sich selbst. Wer seine eigenen Fähigkeiten infrage stellt, wird auch von anderen nicht dazu beauftragt werden, eine neue Zweigstelle des Unternehmens aufzubauen, eine Herzklappe zu verpflanzen oder zu entscheiden, welches Kabel zur Entschärfung der Bombe gekappt werden muss.

Eigenverantwortung unserer innerern Balance

Ein gesundes Selbstbewusstsein, fernab von Selbstmitleid einerseits und Narzissmus andererseits, ist keine Schicksalsgabe. Wir selbst sind verantwortlich für die Balance unserer unterschiedlichen Teile bzw. das harmonische Zusammenspiel unserer verschiedenen stofflichen und feinstofflichen Körper, so der Autor. Zur Verdeutlichung dieser These dient das Bild eines Tetraeders, einer gleichschenkligen, dreiseitigen Pyramide mit insgesamt vier dreieckigen Flächen. Jeder dieser Flächen entspricht einem unserer Körper: einmal der physische bzw. materielle Körper, der jedem geläufig ist. Außerdem der männliche Mentalkörper, der für den Verstand und den Intellekt steht. Der weibliche Emotionalkörper, der die Gefühle des Menschen beherbergt. Und schließlich der Energiekörper, dem die Aufgabe zukommt, den Menschen mit Energie und Informationen zu versorgen.

Für jeden dieser Körper hat der Mensch ein eigenes Bewusstsein. Erst wenn sich alle vier Flächen harmonisch zusammenfügen und exakt gleich groß sind, bildet sich daraus ein perfektes Tetraeder. Der Inhalt dieses Gebildes entspricht dem fünften Körper des Menschen, dem »Seelenkörper«. Ihn zu bilden ist Hauptaufgabe bei der Aktivierung des Weltinnenraums. Der Seelenkörper hat eine Sonderstellung in diesem Körper-Komplex. Er ist das zentralste und wertvollste Vermögen des Menschen, sein eigentlich göttlicher Kern. Indem der Mensch seine ersten vier Körper entwickelt, sorgt er nicht nur für das Wachstum dieser vier Körper, sondern automatisch auch für das Wachstum des fünften, des Seelenkörpers. Die »Seelenkompetenz«, wie Maik Kaiser es nennt, wächst also ganz automatisch mit. Soweit die Theorie.

In der Praxis ist die Balance der verschiedenen Körper oder die Aktivierung des Weltinnenraums zwar keine Sisyphusarbeit, aber doch eine permanente Herausforderung. Die verschiedenen Übungen und Meditationen, die Mike Kaiser vorstellt, erleichtern einem das Nehmen der Hürden auf dem Weg zur inneren Ausgeglichenheit. Sie können zum tagtäglichen Wellnessprogramm für die Seele werden und die Begeisterung für den Weg an sich wecken. Dann ist der Weg nicht nur sprichwörtlich selbst das Ziel, sondern auch eine gute Motivation, es dieses Jahr wieder einmal zu versuchen. Ganz nach dem Motto: Wieder ein guter Vorsatz, dazu ein neuer Ansatz. Und wenn es nicht klappt, dann war schon der Weg die Sache wert.

Buch-TIPP
Sean Meshorer
Die Aktivierung des Weltinnenraums
576 Seiten, € 24,95
ISBN: 978-3-86616-229-7
Verlag Via Nova
Kategorie: Spiritualität | Keine Kommentare
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