Ist es nicht seltsam? So viele politische und künstlerische Aufund Mahnrufe haben besorgte Menschen über die Jahrzehnte durch unsere Medienwelt geschleust und verbreitet, doch scheint selbst der hochtechnisierte schnellste Weg noch zu lang, um w- irklich eine breite Masse zu erreichen und zu einer Neubesin nung zu führen. Sind wir in unserer Gesamtheit nicht bereit für ein höheres Bewusstsein?

Wie zwei Aliens kommen die zwei Vertreter einer der letzten ethnischen Gruppen, die den Kontakt mit der industrialisierten Welt stets gemieden haben, sich vor, als sie 1998 auf dem Flughafen Roissy in Paris stehen und ihren Freund und Helfer Eric Julien begrüßen.

Die Abb. zeigt den Autor mit einem Kogi

Der Kontrast zwischen ihrer Welt und der Welt der „kleinen Brüder“, wie sie uns nennen, könnte nicht größer sein. Auf der einen Seite ein tiefes Wissen um die Einheit der sichtbaren und unsichtbaren Wirklichkeit, die Psyche des Menschen, die Kraft der Gedanken, die Möglichkeiten der wortlosen Kommunikation, die energetischen Ausprägungen von Mutter Erde, die Fähigkeit zu tiefer Meditation und einem Leben in Harmonie mit der Natur. Auf der anderen Seite eine Welt, in der die Reste von Natur nur in künstlich angelegten Bahnen verläuft, die meisten Menschen wie hinter einem Schleier des Selbstgespräches unbewusst durch ein linear konstituiertes Zeitbild eilen und die Werte in jedem Bereich nurmehr vom Kostennutzen beherrscht sind – eine Welt aus den Fugen, die von einem komplexen, hauptsächlich wirtschaftlich orientierten System durchzogen ist, dem zu viele Menschen noch nicht abschwören können.

An jenem Tag beginnt für Eric Julien eine kleine Odyssee mit seinen beiden Freunden durch die verschiedenen Institutionen, die eventuell Gehör für die Sorgen der Kogi um die Erde im Allgemeinen und ihre Heimatgründe im Speziellen haben und ein paar Worte des Einspruchs erheben könnten – dort, wo die Initiativen zum Ausverkauf der letzten naturbelassenen und heilen Orte auf der Welt ihren Anfang nehmen.

Der Geograph und Alpinist Julien begegnet auf einer Trecking-Tour in Kolumbien eher zufällig den Kogi, direkte Nachfahren der Tayronas. Diese waren eine der wichtigsten Ethnien Südamerikas. Ihre Herkunft ist bis dato nicht geklärt, ihre Hinterlassenschaften im Norden des Landes sind jedoch zahlreich: Städte im dichten Regenwald der Sierra de Santa Marta, die durch Steinplattenwege und -treppen miteinander verbunden waren und gleichzeitig der Bodenerosion vorbeugten, Be- und Entwässerungskanäle, hohe Kenntnisse der Wetterkunde, Astronomie und Landwirtschaft und eine außerordentlich reiche Goldschmiedekunst.

Während Juliens Weltbild bei den Kogi ordentlich ins Wanken gerät und eine neue Dimension gewinnt, geben die Kogi dem Europäer am Ende der ersten Begegnung eine Botschaft mit auf den Weg nach Hause: „Wir brauchen den kleinen Bruder, damit er uns hilft. … Die Sierra muss gerettet werden, die Sierra hat Verzweigungen in die ganze Welt, es handelt sich um ein kleines Stück Erde, aber sie ist riesig.“ Sie fügen hinzu, dass die Weißen mit großer Energie daran arbeiten, die Materie umzuformen, und in diesem Bereich weit gekommen sind. „Aber die hauptsächlichen Probleme des Lebens dauern fort. Sie sollten sich darüber klar werden, dass die Lösung nicht in einer zügellosen Suche nach solchem Fortschritt liegt. Es wird Zeit, an hauptsächliche Dinge zu denken. … Wenn wir nur eine künstliche Welt errichten, wird die Erde sterben.“

Die Zusammenarbeit, die sich im Laufe vieler Jahre zwischen den unterschiedlichen Brüdern entwickelt, ist fruchtbar. Eric Julien, der in Frankreich Vorträge vor Managern und potenziellen Geldgebern hält, schafft es, mit Hilfe von Spenden finanzielle Mittel zu organisieren, um den Kogi weiterhin ein Leben auf ihrem seit Jahrtausenden angestammten Land zu ermöglich. Doch nicht nur das. Der Austausch zwischen den Indianern und dem Franzosen ist für beide Seiten eine Begegnung voller Überraschungen und Lehren. Besonders als die Kogi in Frankreich sind, wird deutlich, wie verschieden ihre Denk- und Verhaltensweise ist. Während die Indianer stoisch – die Beherrschung der Emotionen gehört für sie zum guten Ton – zur Kenntnis nehmen, dass bei uns die Berge „vergewaltigt“ werden, damit Tunnel uns schneller von A nach B befördern und „das Blut der Erde“, das Eröl, für unseren Komfort bis zur Neige abgezapft wird, erkennt Julien noch etwas sehr Grundlegendes. „Wie stolz auch immer unsere derzeitige Gesellschaftsform auf ihre Wissenschaften und ihre Technik sein mag, gibt es dennoch ein Gebiet, in dem sie armselig, ja sogar archaisch ist, das heißt auf dem Gebiet der Beziehung zur Welt und zu den anderen. (…) Es ist, als hätten wir durch den Verlust einer ganz wichtigen Dimension des Lebens nur einen Teil unserer Selbst entwickelt, so als habe die Geschichte uns von einem Teil der Wirklichkeit abgetrennt.“

Die Trennung von der Natur und die vornehmliche Betrachtung der materiellen Ebene haben zu einer Kultur geführt, in der sich viele Menschen einsam und sinnentleert fühlen. Äußerlicher Reichtum und scheinbare Sicherheit können nicht verdecken, dass das Unglücklichsein in unserem Kulturkreis weit verbreitet, ja fast schon gängiges Lebensgefühl ist. Immer scheint etwas zu fehlen und selten scheint der Augenblick an sich zu genügen, um Zufriedenheit zu bringen.

Die Kogi fühlen sich eins mit der Natur, wie eine organische Fortsetzung all dessen, was lebt, schreibt Eric Julien. Obwohl sie äußerlich abgeschnitten von der restlichen Welt leben, denken sie global und kollektiv. Wo sie „wir“ sagen, da sprechen wir vom „Individuum“. Die Tatsache, dass sie die Verschlechterung und die Verwüstung allen Lebens auf der Erde wie ein Drama, wie eine tiefe Bedrohung gegenüber dem Gleichgewicht und der Harmonie verspüren, spielt ihnen die unliebsame Rolle von Mahnern oder Wächtern der Erde zu. Dabei könnte man ihre Gesinnung, die in Gegensatz zu unserer gewissenlosen Verbrauchermentalität steht, im wahrsten Sinne des Wortes „natürlich“ nennen.

Heute gibt es noch ungefähr 3.000 Kogi- Indianer in Kolumbien. Die Kogi sind ein Volk, welches bis in die Gegenwart seinen alten Traditionen treu geblieben ist und nach ihnen lebt. Es gehört zur Tradition des Volkes, nach Einsicht zu streben. Diese Einsicht kann nur im Gespräch mit einem wirklich weisen Mann („Mama“) erlangt werden. Diese weisen Männer leben abgeschieden, weit oben in den Bergen. Ihre Ausbildung zum Schamanen erfordert einen oft jahrelangen Aufenthalt in völliger Dunkelheit

Liest man über die Kogi, so wird einem klar, dass sich das Denken dieser Menschen deutlich von unserem unterscheidet. Es scheint mehr von Zyklen bestimmt, sich wiederholenden Mustern, Ein- und Ausatmen im Wechsel, während unser Denken stark vom Linearen geprägt ist, eine ins Endlose führende Entwicklung, die keine Rast kennt, ein ewiges Einatmen, um „hinterher zu kommen“. Ein Wirtschaftssystem beispielsweise, das auf ungehemmtem Wachstum basiert, kann den Kogi deshalb nur absurd erscheinen. Für sie ist es wichtig, zwischen den schöpferischen und den zerstörerischen Kräften der Existenz ein Gleichgewicht zu finden, im Mikro- wie im Makrokosmos. So legen sie Wert auf die Harmonie ihrer materiellen Umgebung, aber auch ihrer Gedanken und Handlungen, die offen ausgesprochen und in Gemeinschaft diskutiert werden, bis sie Resultate zeigen, die die Harmonie fördern. Dabei gibt es für jedes Thema einen bestimmten Ort in der Natur, der eine solche gemeinschaftliche Erörterung am besten fördert und dafür aufgesucht wird. Besonders die Berge spielen im Leben dieser Indianer eine wichtige Rolle. Berge sind für sie wie Tempel. Im Gebirge, sagen sie, befindet sich ein angehäuftes Wissen, jeder Berg hat seine eigene Gedankenwelt. Wenn man an einem Thema arbeiten will, dann geht man auf den dafür geeigneten Berg.

Das Befragen von Orakeln und das Opfern spielen eine ebenso große Rolle. Die Interaktion mit einer höheren Warte der Wirklichkeit lässt den Menschen nicht als letztes triumphierendes Glied in einer Entwicklungskette stehen. Vielmehr ist er Teil eines großen Netzes aller lebendigen Aspekte der Welt, deren zahlreiche unsichtbare Elemente sich auf der materiellen Ebene widerspiegeln – wie oben so unten. Die Kogi gehen sogar soweit: „Für uns ist die sichtbare Welt keine Wirklichkeit. Wir müssen lernen, den trügerischen Schein des Lichtes zu verlassen, um die Wahrheit der Schatten und der Geister zu finden…“ Gerne spricht man von indianischen Völkern als geschichtslose Völker, da sie äußerlich gesehen kaum Spuren hinterlassen. Ganz abgesehen davon, dass dies ein positives Prädikat darstellen sollte – man denke nur an die vielfältigen Arten des Mülls, den unsere „Kultur“ anhäuft – sind die Spuren, die sie auf spiritueller Ebene hinterlassen weit fortgeschrittener und für uns oft kaum nachvollziehbar. Hier scheint unsereins einen großen Nachholbedarf zu haben.

Auch der bekannte Autor Drunvalo Die Abb. zeigt den Autor mit einem Kogi Melchizedek betont den hohen Bewusstheitsgrad der zurückgezogen lebenden Kogi. In seinem neuesten Buch „Aus dem Herzen leben“ erzählt er, wie er auf astraler Ebene in Kontakt mit den Kogi kommt. Ihre Fähigkeit zur Telepathie und ihr Wissen um feinstoffliche Tatsachen beeindrucken ihn sehr. Außerdem hat er während einer Reihe von Heilungszeremonien für die Erde noch eine andere Art der Kommunikation der Kogi – eine Art Lautsprache – entdeckt und erlernt. „Die versteckte Kogi-Sprache ist ein Sprechen vom Herzen durch Bilder“, schreibt er. „In der Zeit vor der Sprache hat die gesamte Menschheit auf diesem Weg, durch das Herz ‚gesprochen‘“. „Die Kogi wollten ein Statement und eine Warnung an die Welt abgeben, an den ‚kleinen Bruder‘,“ weiß auch er zu berichten.

Bleibt zu hoffen, dass mehr und mehr Menschen diese Brücken der Verständigung betreten, die zunehmend gebaut werden und die Kräfte für eine breitere Sichtweise und lebensverträglichere Seinsweise vereinen.

Weitere Informationen:
www.tchendukua.com

BUCH-TIPP
Eric Julien
Der Weg der neun Welten
313 Seiten, € 19,80
ISBN: 978-3890-60322-3
Verlag Neue Erde

Kategorie: Spiritualität | Keine Kommentare
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