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Borreliose - ganzheitlich heilen und vorbeugen
Roman Katzer
erschienen in Heftausgabe: 0308
Die fortschreitende Klimaerwärmung mit milden Wintern und immer kürzeren Frostperioden birgt auch Gesundheitsgefahren: immer mehr Zecken überleben die kalte Jahreszeit – und mit ihnen einige gefürchtete Krankheitserreger, die von den Blutsaugern auf Mensch und Tier übertragen werden. Darunter auch die Borrelien, die eine multisystemische und oft schwer zu
behandelnde Krankheit hervorrufen.
Gerade im Frühsommer zieht es uns hinaus in die Natur – zum Wandern im frisch ergrünten Wald, zum Picknick auf saftigen, blühenden Wiesen oder einfach zum Spaziergang durch Gärten und Parkanlagen. Doch im Gebüsch oder im hohen Gras lauert oft eine unsichtbare Gefahr: Zecken, die sich im Vorbeigehen an uns heften und sich schon bald darauf meist unbemerkt festbeißen, um sich mit unserem Blut vollzusaugen.
Oft bemerkt man die winzigen Parasiten gar nicht oder viel zu spät, wenn sie nach ein oder zwei Tagen bereits heftig angeschwollen und fast vollgesogen sind. Das liegt daran, dass Zecken mit ihrem Biss ein Betäubungsmittel und einen entzündungshemmenden Stoff in die Haut injizieren – erst wenn der lästige Gast entfernt oder von selbst abgefallen ist, beginnt die Bissstelle zu jucken. Meist denkt man sich nichts dabei oder hält es gar für einen Mückenstich, der rasch wieder abheilt.
Zecken als Krankheitsüberträger
Man sollte einen Zeckenbiss nie unterschätzen, denn die blutsaugenden Milben sind Krankheitsüberträger, die je nach Art und Vorkommensgebiet verschiedene Infektionskrankheiten übertragen können. Und das nicht nur in tropischen Gefilden, sondern auch vermehrt in unseren Breiten: Man denke nur an die gefürchtete FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Viren hervorgerufene Gehirn- und Hirnhautentzündung, die in seltenen Fällen zu neurologischen Ausfallserscheinungen und Lähmungen bis hin zum Tod führen kann.
Wenn man in FSME-Risikogebieten (Österreich, manche Kantone der Schweiz und Gebiete in Süddeutschland) wohnt, kann man sich gegen den gefährlichen Virus impfen lassen. Etwas, das allgemein nur für Personen empfohlen wird, die sich dort in der Zeckensaison von April bis November aufhalten und durchberufliche oder Freizeit- Aktivitäten Zecken potenziell ausgesetzt sind.
Nur in Baden-Württemberg und einigen Gebieten Österreichs wird die Impfung durch die zuständigen Behörden generell empfohlen. Abgesehen davon, dass die FSME-Impfung immer wieder ins Kreuzfeuer der Impf- Kritiker geraten ist, gewährt sie keinerlei Schutz vor der weitaus häufigeren und nicht weniger gefährlichen Borreliose, die nicht auf Risikogebiete beschränkt ist. Zwar schwankt auch hier das regionale Infektionsrisiko (in Teilen von Süddeutschland sind nach Schätzungen 30 bis 50 Prozent aller Zecken von Borrelien durchseucht), aber anstecken kann man sich überall und einen Impfschutz gibt es nicht. Man kann sich lediglich vor Zecken schützen und – im Fall, dass man gebissen wurde – die Zecke schnell und fachgerecht entfernen, was das Infektionsrisiko erheblich senkt.
Die Lyme-Borreliose
Die durch Zecken übertragene Lyme-Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht. Die Borrelien ziehen sich schon bald nach der Infektion aus dem Blutkreislauf in das Gewebe zurück. Es kann jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen werden, weshalb man bei dieser Erkrankung auch von einer multisystemischen Krankheit spricht. Der Erreger ist eng verwandt mit Treponema pallidum, dem Erreger der Syphilis und ähnlich wie diese verläuft auch die Borreliose unbehandelt in drei Stadien.
Etwa 5 bis 29 Tage nach dem Zeckenbiss kann es zu einer Lokalinfektion der Haut kommen, die mit einem charakteristischen Hautausschlag, dem Erythema migrans (Wanderröte) einhergeht. Der kreisrunde Ausschlag, der sich meist langsam um den Zeckenbiss bildet und sich von diesem
Zentrum ausdehnt, ist ein klares Symptom für eine Borrelien-Infektion – er fehlt allerdings bei gut der Hälfte aller Erkrankungen, was die Erkennung der Borreliose oft schwierig macht.
Nach 4 bis 16 Wochen breiten sich die Erreger dann im ganzen Körper aus. Der Betroffene leidet an grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Kopfschmerz und starken Schweißausbrüchen. Oft werden in diesem Stadium Organe, Gelenke und Muskeln sowie das Nervensystem befallen. Mögliche Symptome sind unter anderem Gelenkschmerzen und -entzündungen, Störungen des Tastsinns, Sehstörungen oder Herzprobleme.
Im dritten Stadium wird die Erkrankung chronisch: Sie kommt immer wieder oder verschlechtert sich zunehmend. Monate oder auch jahrelange symptomfreie Zeiten mit anschließendem Wiederaufflackern der Erkrankung sind möglich. Es kann zur chronischen Arthritis kommen oder auch zum Befall des zentralen und peripheren Nervensystems (Neuroborreliose) mit Polyneuropathie, Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung.
Die Symptome der Borreliose sind vielfältig: Während bei manchen nur die Gelenke betroffen sind, kommt es bei anderen hauptsächlich zu neurologischen Störungen. Daneben gibt es Betroffene, die Herzprobleme haben – meist verbunden mit Gefäßentzündungen. Auch Mischformen sind möglich und viele Borreliose- Patienten klagen über unerträgliche Erschöpfung, rasche Erschöpfbarkeit und chronische Müdigkeit, die sich auch durch ausreichend Schlaf nicht beseitigen lässt. All diese Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, was die Erkennung der Borreliose oft auch für erfahrene Ärzte schwierig macht, zumal die Betroffenen selbst oft vergessen haben, dass sie irgendwann einmal von einer Zecke gebissen wurden.
Ganzheitliche Behandlungsmethoden
Die Schulmedizin setzt bei der Borreliose- Behandlung ganz auf Antibiotika, obschon die Wirksamkeit gerade in den späteren Stadien der Erkrankung umstritten ist. Manche Kritiker wie der deutsch-amerikanische Arzt Dr. Dietrich Klinghardt oder der Ethnobotaniker Dr. Wolf-Dieter Storl, derselbst an Borreliose erkrankt war, lehnen die Antibiotika-Therapie gänzlich ab und setzen auf naturheilkundliche Mittel oder eine Behandlung auf unterschiedlichen körperlichen Ebenen.
In seinem Buch „Borreliose natürlich heilen“ empfiehlt Storl: „Kardenwurzeltinktur oder -tee, über einige Wochen hinweg eingenommen, dazu jeden Tag oder alle paar Tage eine Überhitzungstherapie (Sauna, heiße Bäder oder Schwitzhütte, mit einer Hitze von über 42 Grad), bieten eine gute Möglichkeit zur Ausheilung der Borreliose.“ Darüber hinaus empfiehlt er andere gesunderhaltende Maßnahmen zur Steigerung der körpereigenen Abwehr und gibt unzählige Tipps und Hinweise zum Verständnis der Erkrankung und ihrer Bedeutung.
Statt Antibiotika bevorzugt auch Klinghardt eine sorgfältige und individuelle Auswahl von antibiotisch wirkenden Kräutern, Mineralien und orthomolekularen Substanzen. „Zusätzlich verwende ich pulsierte elektromagnetische Felder. Die Technologie, die wir dazu verwenden, ist hier inzwischen unter dem Namen KMT (Klinghardt-Matrix-Therapie) bekannt,“ erklärt er im Internet-Forum „Naturheilmagazin“.
Die Geräte arbeiten ähnlich wie „TENS“-Geräte (Transkutane elektrische Nerven-Stimulation; Reizstromtherapie im Frequenzbereich von 1-100 000 Hz). Die Frequenzen, die durch die Geräte erzeugt werden, sollen das Wachstum bestimmter Keime hemmen oder ganz zum Stillstand bringen und das Immunsystem trainieren. Ähnlich wirken auch sogenannte „Zapper“, die den Borrelien auf ihrer Eigenfrequenz zu Leibe rücken sollen.
Andere Naturheilkundler setzen ganz auf homöopatische Medikamente wie etwa die Borrelia Nosode, die nach einem Zeckenbiss über die „Erstverschlimmerung“ auch von diagnostischem Wert sein soll und angeblich manchmal sogar helfen kann, die Krankheit in ihren Ansätzen zu stoppen. Berichte über Therapieerfolge mit all diesen Mitteln und Methoden machen Mut, dürfen aber auch nicht überbewertet werden. Der mündige Patient sollte sich gerade bei einer ernsten Erkrankung zunächst selbst genau informieren, bevor er eine Therapie wählt und er sollte sich vor allem auch nicht durch den leidigen Grabenkrieg zwischen manchen Schulmedizinern und alternativen Heilern verunsichern lassen.
So schreibt die Medizinjournalistin und Heilpraktikerin Margret Rupprecht: „Auch wenn unter naturheilkundlichen Aspekten das Thema Antibiotika oft und zu Recht kritisch gesehen wird: Bei Patienten mit Borreliose sind Antibiotika ein Muss! Je früher sie gegeben werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit vollständig auszuheilen. Borrelien vermehren sich im Körper langsam, sind vom Immunsystem geschwächter Patienten aber nur mühsam in Griff zu bekommen.“ Also setzt sie auf eine Kombination von schulmedizinischer Therapie, Steigerung der körpereigenen Abwehr und ganzheitlichen Heilmethoden.
Die Behandlung der Zecken-Borreliose gehört sicherlich in die Hand eines kundigen Arztes und zum Glück gibt es inzwischen genügend aufgeschlossene Ärzte, die den Graben zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden überwunden haben und so zu einer wirklich Ganzheitlichen Medizin gefunden haben – zum Wohl Ihrer Patienten.
Buch-Tipp:
Wolf-Dieter Storl
Borreliose
natürlich heilen
264 Seiten, € 19,90
ISBN 978-3-03800-360-1
AT Verlag
Weitere Infos: www.naturheilmagazin.de
Kategorie: Heilung & Gesundheit
Themen: Borreliose erkennen, Borreliose vorbeugen, alternative und ganzheitliche Heilmethoden bei Borreliose
Artikelnummer: 139
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